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Weserkurier 15.7.2006

Weniger Lehrer - mehr Honorarkräfte
Eltern und Schulleiter kritisieren Einsparungen im Bildungswesen / Senator: Regulärer Unterricht nicht betroffen

Von Thomas Andre und
Elke Hoesmann

BREMEN. "Der Speck ist weg", geblieben seien nur noch Haut und Knochen, auf die jetzt Salbe geschmiert werde - so drastisch formulierten gestern Schulleiter und Zentralelternbeirat (ZEB) ihre Kritik an den Sparmaßnahmen bei der Bildung. Es gebe 75 Vollzeitstellen weniger als im Vorjahr, und gekürzt werde auch dort, wo Lehrer über den Unterricht hinaus Schüler förderten, sagte Antje Möbus vom ZEB-Vorstand. "Kurse fallen aus, Arbeitsgruppen finden nicht mehr statt. Was bleibt, ist nur noch das Unterrichtsgerippe." Davon seien Migrantenkinder ebenso betroffen wie Sonderschüler und Hochbegabte. Besonders schlimm, so Eltern und Lehrer, seien diese Kürzungen für Schulen in sozialen Brennpunkten.

Problematisch findet der Zentralelternbeirat die Umwandlung von Lehrerstellen in Geld.

Damit sollen die Schulen günstigere Honorarkräfte, beispielsweise Erzieher, Sozialarbeiter und Rentner bezahlen. "Die Eltern wollen aber qualifizierte Alternativkräfte, die auf dem freien Markt nicht so einfach und schnell zu beschaffen sind", sagte Antje Möbus. Dieser personelle Umbau brauche Zeit; viele Schulleitungen seien mit der Umstrukturierung überfordert. Geld statt Stellen, das gilt künftig auch für die kurzfristige Vertretungsreserve.

Heißt: Mit Geld aus "umgewandelten" Lehrerstellen" sollen die Schulen ihre Krankheitsreserven flexibel organisieren, also auch stundenweise Studenten oder andere Kräfte einsetzen. "Da wird von den Schulen zu viel erwartet", kritisierte Möbus. Denn dies zu organisieren, Absprachen und Übergaben zu koordinieren und vor allem Verlässlichkeit zu garantieren, darauf seien viele Schulleitungen nicht vorbereitet worden. Einige Schulen hätten erst jetzt, kurz vor den Ferien, ihre Zuweisungen erhalten."Wir wissen, dass Bremen sparen muss", betonte Möbus. Deshalb richte sich der ZEB nicht nur an Bildungssenator Willi Lemke (SPD) , sondern an alle Politiker und die Verantwortlichen der anderen Ressorts. "Was Lemke an Positivem, etwa bei Ganztagsschulen, angeschoben hat, muss weiterlaufen."

Weitere Sparrunden dagegen gingen an die Substanz der Schulen, waren sich Eltern und Schulleiter einig. Willi Lemke scheinen die Hände gebunden. Der Bildungssenator ging gestern in die Offensive, zuvor soll er Schulleitern, die sich gestern öffentlich äußerten, mit disziplinarrechtlichen Schritten gedroht haben.

Vor Journalisten verteidigte er die Maßnahmen für das kommende Schuljahr. Am nächsten Dienstag will er insbesondere sein Konzept für die Fördermaßnahmen von Schülern mit Migrationshintergund vorstellen. "Auch hier werden wir verstärkt Honorarkräfte einsetzen", kündigte er an. Nicht richtig sei, dass die sozialintegrativen Förderungen ganz gestrichen würden. "Davon war nie die Rede", behauptete der Bildungssenator im Hinblick auf einen entsprechenden Fernsehbericht.Richtig sei aber, dass die Lehrerversorgung für die bremischen Schulen immer schwieriger werde. Gemäß Haushaltsbeschluss muss auch das Bildungsressort 1,7 Prozent an Personalkosten einsparen, was einem Minus von 75 Lehrerstellen und 2025 Lehrerstunden entspricht. "Im regulären Unterricht wird es keine Kürzungen geben", versprach Lemke.Blieben als Streichmöglichkeit eben die "Sonderbedarfe". Dort wird gerade im Bereich der Förderung für Migrantenkinder gekürzt. Im nächsten Schuljahr sollen dafür nur noch 1817 Lehrerstellen aufgewandt werden - das sind 80 Prozent der ursprünglichen Summe. Die übrigen 20 Prozent sollen von Sozialpädagogen, Erziehern und Studenten geleistet werden.

Die Ostercamps - dort unterrichten Lehramtsstudenten schwächere Schüler - hätten gezeigt, wie gut der Personalmix funktionieren könne. Lemke nimmt fortan die Schulen in die Pflicht. "Wir brauchen Schulleiter, die eine gute Personalpolitik machen", forderte er. Für die Zukunft konnte er überdies wenig Hoffnung machen. Für das übernächste Schuljahr ist ein weiterer Personalkostenabbau von 1,3 Prozent vorgesehen.

Lemke weiß, was ihm dann von Seiten der Lehrer blüht, hofft indes auf Einsicht - und Erfolge.

 "Der normale Unterricht wird auch dann nicht angetastet, aber in den Förderstunden eben noch mehr auf andere Kräfte gesetzt." Am Ende des Jahres soll ein Resümee gezogen werden. Erst wenn das negativ ausfalle, müssten andere Lösungen her.

© Bremer Tageszeitungen AG



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