| Weserkurier 15.7.2006 | |
Problematisch findet der
Zentralelternbeirat die Umwandlung von Lehrerstellen in Geld. Damit
sollen die Schulen günstigere Honorarkräfte, beispielsweise
Erzieher,
Sozialarbeiter und Rentner bezahlen. "Die Eltern wollen aber
qualifizierte Alternativkräfte, die auf dem freien Markt nicht so
einfach und schnell zu beschaffen sind", sagte Antje Möbus. Dieser
personelle Umbau brauche Zeit; viele Schulleitungen seien mit der
Umstrukturierung überfordert. Geld statt Stellen, das gilt
künftig auch
für die kurzfristige Vertretungsreserve. Heißt: Mit Geld aus
"umgewandelten" Lehrerstellen" sollen die Schulen ihre
Krankheitsreserven flexibel organisieren, also auch stundenweise
Studenten oder andere Kräfte einsetzen. "Da wird von den Schulen
zu
viel erwartet", kritisierte Möbus. Denn dies zu organisieren,
Absprachen und Übergaben zu koordinieren und vor allem
Verlässlichkeit
zu garantieren, darauf seien viele Schulleitungen nicht vorbereitet
worden. Einige Schulen hätten erst jetzt, kurz vor den Ferien,
ihre
Zuweisungen erhalten."Wir wissen, dass Bremen sparen muss", betonte
Möbus. Deshalb richte sich der ZEB nicht nur an Bildungssenator
Willi
Lemke (SPD) , sondern an alle Politiker und die Verantwortlichen der
anderen Ressorts. "Was Lemke an Positivem, etwa bei Ganztagsschulen,
angeschoben hat, muss weiterlaufen." Weitere Sparrunden dagegen gingen
an die Substanz der Schulen, waren sich Eltern und Schulleiter einig.
Willi Lemke scheinen die Hände gebunden. Der Bildungssenator ging
gestern in die Offensive, zuvor soll
er Schulleitern, die sich gestern
öffentlich äußerten, mit disziplinarrechtlichen
Schritten gedroht
haben. Vor Journalisten verteidigte er die Maßnahmen für
das kommende
Schuljahr. Am nächsten Dienstag will er insbesondere sein Konzept
für
die Fördermaßnahmen von Schülern mit
Migrationshintergund vorstellen.
"Auch hier werden wir verstärkt Honorarkräfte einsetzen",
kündigte er
an. Nicht richtig sei, dass die sozialintegrativen Förderungen
ganz
gestrichen würden. "Davon war nie die Rede", behauptete der
Bildungssenator im Hinblick auf einen entsprechenden
Fernsehbericht.Richtig sei aber, dass die Lehrerversorgung für die
bremischen Schulen immer schwieriger werde. Gemäß
Haushaltsbeschluss
muss auch das Bildungsressort 1,7 Prozent an Personalkosten einsparen,
was einem Minus von 75 Lehrerstellen und 2025 Lehrerstunden entspricht.
"Im regulären Unterricht wird es keine Kürzungen geben",
versprach
Lemke.Blieben als Streichmöglichkeit eben die "Sonderbedarfe".
Dort
wird gerade im Bereich der Förderung für Migrantenkinder
gekürzt. Im
nächsten Schuljahr sollen dafür nur noch 1817 Lehrerstellen
aufgewandt
werden - das sind 80 Prozent der ursprünglichen Summe. Die
übrigen 20
Prozent sollen von Sozialpädagogen, Erziehern und Studenten
geleistet
werden. Die Ostercamps - dort unterrichten Lehramtsstudenten
schwächere
Schüler - hätten gezeigt, wie gut der Personalmix
funktionieren könne.
Lemke nimmt fortan die Schulen in die Pflicht. "Wir brauchen
Schulleiter, die eine gute Personalpolitik machen", forderte er.
Für
die Zukunft konnte er überdies wenig Hoffnung machen. Für das
übernächste Schuljahr ist ein weiterer Personalkostenabbau
von 1,3
Prozent vorgesehen. Lemke weiß, was ihm dann von Seiten der Lehrer
blüht, hofft indes auf Einsicht - und Erfolge. "Der normale Unterricht wird auch dann nicht angetastet, aber in den Förderstunden eben noch mehr auf andere Kräfte gesetzt." Am Ende des Jahres soll ein Resümee gezogen werden. Erst wenn das negativ ausfalle, müssten andere Lösungen her. |
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