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GEW und Bertelsmann-Stiftung
(April 2009)
Leitlinie der GEW-Bildungspolitik sind Öffentlichkeit, Staatlichkeit, Steuerfinanzierung
und
Demokratisierung; dem stehen die Leitlinien der Bertelsmann-Stiftung - Wettbewerb,
Markt,
Führung, Effizienz und Effektivität - diametral entgegen. Die Bertelsmann-Stiftung
verfolgt
das Ziel, die Prinzipien unternehmerischen Handelns in allen Bereichen der Gesellschaft
zu
verankern. Insbesondere im Bereich der Bildung lehnt die GEW dieses Ziel ab.
Selbst wenn
es zwischen GEW und Bertelsmann-Stiftung punktuelle Überschneidungen von einzelnen
bildungspolitischen Vorstellungen gibt - die bildungspolitischen Ziele sind
gegensätzlich.
Die vorgebliche Philanthropie und Gemeinnützigkeit der ausschließlich operativ
tätigen Bertelsmann-
Stiftung und die Profitinteressen des Bertelsmann-Konzerns bilden eine Einheit
strategischen Handelns. Demokratische Strukturen des Gemeinwesens werden so
zugunsten
der persönlichen Überzeugungen des Stifters Reinhard Mohn sowie einer Stiftungssatzung,
„die dem Hause Bertelsmann ... Kontinuität ... ermöglicht“, umgangen.
Dabei arbeitet die Bertelsmann-Stiftung mit der Strategie, die Legitimation
ihres Handelns
über breite Bündnisse zu erreichen. Sie bemüht sich daher um einen konzilianten
Umgang
gerade auch mit anders denkenden politischen Akteuren. Diese Strategie in Verbindung
mit
dem Rückzug des Staates war erfolgreich und hat die Bertelsmann-Stiftung zu
einem bedeutenden
Akteur und Faktor in der deutschen Bildungslandschaft gemacht. Die GEW lehnt
es
ab, durch passive oder aktive Mitarbeit ihrer Organe und FunktionsträgerInnen
zum Gelingen
dieser Strategie beizutragen. Die GEW ist sich bewusst, dass die Bertelsmann-Stiftung
für
eine marktförmige Umgestaltung des Bildungswesens eintritt. Dennoch sind Kontakte
und
Begegnungen unvermeidlich. Hier gilt – wie in Bezug auf Kontakte zu anderen
großen Akteuren
auch – für die GEW und ihre VertreterInnen folgendes:
Die GEW ist ausschließlich den Interessen ihrer Mitglieder, den demokratischen
Strukturen
im Bildungswesen und der humanen, aufklärerischen und sozialen Dimension von
Bildung
verpflichtet. Sie legt großen Wert auf Unabhängigkeit in Fragen der Bildungspolitik
und auf
die Möglichkeit, marktorientierte politische Akteure wie Bertelsmann offen und
öffentlich zu
kritisieren.Eine über Kontaktpflege und Positionsaustausch hinausgehende Zusammenarbeit
zwischen GEW und Bertelsmann-Stiftung findet nicht statt.
Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Gemeinnützigkeit von Unternehmensstiftungen
einer
besonders kritischen Prüfung unterzogen wird.