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Weserkurier 04.03.04
Lehrer-GmbH sorgt für
Unmut
Personalräte
fürchten: Mehr Pädagogen werden durch billigere Kräfte
ersetzt
Von unserem Redakteur
Bernd Schneider
„Gesellschaft
für Bildungsinfrastruktur“ – mit diesem Projekt verunsichern
Bildungs-
und Finanzressort seit Monaten die Belegschaft an Bremens Schulen und
in der Verwaltung. Gestern traten Personalräte aus vier Bereichen
sowie
Gewerkschaftler vor die Presse. Sie fürchten schlechtere
Arbeitsbedingungen und weniger qualifizierte Kräfte an den
Schulen.
Derzeit
sind die Hamburger Unternehmensberater Putz & Partner in der
Bildungsbehörde damit beschäftigt, die Lehrer GmbH auf die
Beine zu
stellen. Bis Ostern, so die Vorgabe, soll ein Modell stehen. „Eine so
weitgehende Privatisierung im Bildungsbereich wäre bundesweit
einmalig“, kommentierte gestern Irmtrud Gläser vom
Gesamtpersonalrat.
Die
GmbH soll, so die Darstellung des Senats auf eine Anfrage der
Grünen,
Aufgaben aus dem Bereich des Bildungsressorts aufnehmen. Das sei
nötig,
um das Bildungssystem nach dem schlechten Abschneiden Bremens beim
Schulleistungstest PISA zügig umzubauen. Für ihre Aufgaben
wird die
Gesellschaft für Bildungsinfrastruktur in den Jahren 2004/2005
zunächst
mit 25 Millionen Euro ausgestattet. Acht Millionen Euro jährlich
soll
sie am Ende einsparen – etwa 1,8 Prozent der laufenden Ausgaben im
Bildungsressort pro Jahr.
„Das
ist der einzige Zweck dieser GmbH“,
kritisierte gestern Rolf Becker, Personalrat Schulen. „Die Gesellschaft
wird nur gegründet, um einen gigantischen Schattenhaushalt
einzurichten.“ Die komplizierte Konstruktion über die GmbH sei
notwendig, weil die Verfassung dem Land selbst verbiete, Kredite
für
laufende Ausgaben aufzunehmen. Das sieht auch Wolfgang Mertins so,
Personalrat Verwaltung im Bildungsressort. „Die GmbH wird
gegründet, um
Kredite aufzunehmen – und nun sucht man fieberhaft nach einer Aufgabe,
die sie wahrnehmen könnte.“
Vom
Tisch, so Becker weiter, seien
offenbar erste Pläne, ganze Berufsschulen und die
Erwachsenenschule in
die GmbH auszugliedern. „Das gibt beamtenrechtliche Probleme mit der
Überlassung der Lehrer.“ Außerdem habe sich in der
Behörde die
Erkenntnis durchgesetzt, dass neue Lehrer kaum zu finden seien, wenn
man sie „nur“ in einer GmbH anstelle, während alle übrigen
Bundesländer
wieder sichere Beamtenstellen anböten.
Geplant
sei nun offenbar,
das „unterrichtsergänzende Personal“ in die Gesellschaft
auszugliedern:
Verwaltungskräfte, Erzieher und Betreuer an verlässlichen
Grundschulen,
Sozialpädagogen für die Arbeit mit Behinderten, Lehrmeister
an
Berufsschulen. Becker: „Die arbeiten dann nicht mehr
imöffentlichen
Dienst, sondern in einer GmbH. Das sorgt natürlich für
Unruhe.“
Mertins
fürchtet zudem, dass neue Kräfte in der GmbH zu schlechteren
Konditionen eingestellt werden. „Wie will man sonst einsparen?“ Irmtrud
Gläser sieht das nicht anders. Sie fürchtet „abgesenkte
Tarife und ein
anderes, niedrigeres Qualifikationsprofil beim Personal“. Und weiter:
„Das Ganze mit PISA zu begründen grenzt an Hohn.“
In der
Schule
könnten Lehrer dann zunehmend ersetzt werden durch billigere
Kräfte.
Rolf Becker: „So wie heute schon Schwimmmeister Schwimmen unterrichten,
könnten dann Übungsleiter aus Vereinen im Sport eingesetzt
werden,
Musiker in Musik und Künstler im Kunstunterricht.“
Überlegungen dieser
Art gebe es längst. Die pädagogische Qualifikation spiele
dann keine
Rolle mehr.
Auch
grundsätzliche Bedenken wurden gestern
vorgetragen: „Bildung ist eine hoheitliche Aufgabe“, sagte Rolf Becker
und verwies auf die Landesverfassung. „Bildung lässt sich nicht
privatisieren.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lasse
diese Frage gerade rechtlich prüfen.