Kempen: "Bürokratisches und
dirigistisches Konzept mit
Scheingenauigkeit"
DHV lehnt Pläne für Umsetzung eines
Europäischen
Qualifikationsrahmens ab
Der Deutsche Hochschulverband (DHV)
ruft Bund und Länder dazu auf, die
Errichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) sowie dessen
Umsetzung in nationales Recht zu stoppen. Bildungsübergreifend soll die
in der Europäischen Union erreichte individuelle Qualifikation einer
von acht Niveaustufen zugeordnet werden. "Die Kategorisierung in acht
Kompetenzstufen beinhaltet notwendigerweise hierarchisierende und
diskriminierende Wirkungen und Wertungen. Dieses dirigistische und
menschenverachtende Vorhaben ist ein zum Scheitern verurteilter
erneuter Versuch, kulturelle Vielfalt in ein europäisches
Einheitsschema zu pressen", erklärte DHV-Präsident, Professor Dr.
Bernhard Kempen.
Die Implementierung eines Europäischen Qualifikationsrahmens sei ein
Beschäftigungsprogramm für Technokraten und werde lediglich der
Akkreditierungs-und Evaluationsbürokratie Auftrieb geben. Dem enormen
Verwaltungsaufwand stehe kein erkennbarer Nutzen gegenüber. "Mit
Scheingenauigkeit werden weder Transparenz noch Mobilität gefördert",
hob Kempen hervor. "Die leidvollen Erfahrungen des Bologna-Prozesses in
Deutschland lehren, dass administrative Überregulierung begrüßenswerte
Zielsetzungen konterkariert."
Außerdem fehle den im Diskussionsvorschlag für einen Deutschen
Qualifikationsrahmen zugrundeliegenden Kategorien Wissen, Fertigkeiten
und personale Kompetenz jegliche präzise Aussagekraft und Trennschärfe.
Bildung werde erneut auf ökonomischen Nutzen und Verwertbarkeit
reduziert. Die Bindungswirkungen und Rechtsfolgen, die den Zuweisungen
in eine Kompetenzstufe zukünftig zukommen sollen, seien vollends unklar.
Beruflich Qualifizierten, so Kempen weiter, auf Grund des Nachweises
einer entsprechenden Kompetenzstufe per se den Direkteinstieg in ein
Studium zu ermöglichen, sei autonomiefeindlich und verstoße gegen das
Recht der Hochschulen, die Studienaufnahme an inhaltliche
Voraussetzungen zu knüpfen. "Trotz der grundsätzlichen Gleichwertigkeit
von akademischer und nicht-akademischer Bildung darf nicht ihre
prinzipielle Andersartigkeit geleugnet werden", erklärte der
DHV-Präsident. "Mit dem Qualifikationsrahmen wird über die Hintertür
der Unterschied von beruflicher und akademischer Bildung eingeebnet und
den Hochschulen eine neue Klientel zugewiesen."
Durchlässigkeit müsse angemahnt werden, wenn trotz nachgewiesener
Leistung eine Bildungs- und Ausbildungskarriere behindert würde. "Für
Leistungsstandards bürgen die bisherigen Bildungsabschlüsse, die
nunmehr systematisch entwertet werden. Einen Nachweis, dass Verfahren,
die sich ausschließlich an Lernergebnissen orientieren, Qualität
garantieren, gibt es bislang nicht", so Kempen abschließend.
Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit rund 25.000
Mitgliedern.
Quelle: bildungsklick.de
Die Arbeiten am
Deutschen Qualifikationsrahmen
sind ausgesetzt - Hochschulen fordern kompletten Neustart
Das Interview |
Bildung
Der Erarbeitungsprozess für den
Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)
ist ins Stocken geraten. Die vier Arbeitsgruppen, die den DQR auf seine
Praxistauglichkeit untersuchen, haben zunächst - auf Antrag
der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände - ihre Arbeit
unterbrochen.
Sie verlangen von der Kultusminister-Konferenz (KMK), dass
diese dargelegt und begründet, auf welchen Niveaustufen die
allgemeinbildenden Abschlüsse angesiedelt werden sollen. Alle vier
Gruppen wollen prüfen, ob ihr Zuordnungskonzept noch stimmig ist, wenn
z.B. das Abitur der Niveaustufe fünf zugeordnet ist. Nicht nur die
Schulen machen Ärger, sondern auch die Hochschulrektorenkonferenz: Sie
verlangen gar, die Erarbeitung des DQR in seiner jetzigen Form sofort
abzubrechen. Im Interview mit WAP erläutert Hermann Nehls, vom DGB
Bundesvorstand und gewerkschaftlicher Koordinator im DQR-Prozess, wie
der Stand der Arbeiten ist und wo es derzeit hakt.
Arbeitgeber und
Gewerkschaften haben ihre Mitarbeit beim
DQR in den vier eingesetzten Arbeitsgruppen (IT, Metall- und Elektro,
Gesundheit, Handel) ausgesetzt. Was ist passiert?
Die Gewerkschaften und Arbeitgeber haben
immer schon gefordert, dass
die Kultusminister-Konferenz (KMK) ihre Vorstellung zur Zuordnung
allgemeinbildender Abschlüsse mit in die Diskussion einbringt. Es hat
sich in den Arbeitsgruppen gezeigt, dass die Zuordnung
allgemeinbildender Abschlüsse durchaus wichtig ist für die Frage, wo am
Ende die Zuordnung der BBiG-Berufe in einem Deutschen
Qualifikationsrahmen vorgenommen werden soll. Die KMK hat sich über
Monate geweigert, sich konstruktiv an dem 2. Erarbeitungsprozess zu
beteiligen.
Sie hatte dann zugesagt, ihre
Vorstellungen in die letzten
Arbeitsgruppensitzungen einzubringen. Das ist aber nicht passiert. Wir
haben die Gefahr gesehen, dass die Arbeit in den vier Arbeitsgruppen
mit Vorschlägen für die Zuordnung von BBiG-Berufen abgeschlossen wird
und die KMK dann im Nachhinein sagt, wie die Zuordnung der
allgemeinbildenden Abschlüsse aussehen soll. Konkret geht es um die
Frage, auf welchem Niveau das Abitur zugeordnet werden soll.
Was sind die Hintergründe
dafür, dass die KMK sich nicht
an die getroffenen Vereinbarungen hält?
Es könnte sein, dass die KMK es aus
innerorganisatorischen Gründen
nicht geschafft hat, sich rechtzeitig zu positionieren. Eine andere
Interpretation könnte sein, dass die KMK bewusst ihre Vorstellungen
zurückgehalten hat, um die Akteure der Berufsausbildung erst einmal
dazu zu bringen, Vorschläge zu machen. Damit wäre auch klar, wer die
Federführung in diesem Verfahren hat:
Die KMK könnte sich am Ende immer noch
vorbehalten, wie die
Zuordnung vorgenommen wird. Das ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel.
Wir gehen von einem bildungsbereichsübergreifenden Deutschen
Qualifikationsrahmen aus, der konsensual zwischen allen Akteuren
diskutiert und erarbeitet wird.
Gehören die
allgemeinbildenden schulischen Abschlüsse in
ein DQR?
Da wir einen Qualifikationsrahmen
- und keinen
Qualifizierungsrahmen - entwickeln wollen, ist es erst einmal schwierig
nachzuvollziehen, warum allgemeinbildende schulische Abschlüsse
überhaupt in einem Deutschen Qualifikationsrahmen enthalten sein
sollen. Um einen bildungsbereichsübergreifenden Rahmen zu entwickeln,
brauchen wir aber die Zuordnung allgemeinbildender Abschlüsse.
Der Ansatz des DQR liegt ja gerade
darin, die Versäulung der Bildung
in der Bundesrepublik Deutschland zu überwinden, Durchlässigkeit und
vor allem auch Gleichwertigkeit zwischen allgemeinbildenden und
beruflichen Qualifikationsprofilen darzustellen. Trotzdem bleibt
natürlich die Frage, wie viel Handlungskompetenz allgemeinbildende
schulische Abschlüsse vermitteln.
Ist der Eindruck richtig,
dass sich zunehmend Widerstand
auch bei den Hochschulen gegen die jetzige Fassung des DQR organisiert?
Ja, das ist der Fall. Vor wenigen Tagen
hat die
Hochschulrektorenkonferenz getagt und eine Erklärung verabschiedet. Bei
dieser Erklärung läuft es im Kern darauf hinaus, das gesamte
Erarbeitungsverfahren des Deutschen Qualifikationsrahmens in Frage zu
stellen und einen aus Sicht der Hochschulen notwendigen neuen Ansatz zu
entwickeln. Ich denke, dass es der Hochschule vor allem darum geht, die
Zuordnungshoheit für die Niveaus 6,7, und 8 zu behalten. Sie machen es
vor allen Dingen daran fest, dass die DQR Matrix zu sehr die
Handschrift der Berufsbildung trägt und die Wissenschaft nicht
ausreichend repräsentiert sei.
Das Vorgehen ist verwunderlich, weil die
Vertreterinnen und
Vertreter der Hochschule von Anfang an bei der Entwicklung des DQR
dabei waren. Dieses Verhalten wurde auch am 12. März 2010 im Rahmen des
Arbeitskreises DQR thematisiert. Der HRK Vertreter musste sich massive
Kritik von allen Beteiligten anhören. Die entscheidende Frage bei der
Entwicklung der DQR Matrix war, ob die sogenannten Dublin Deskriptoren
sich in der DQR Matrix wiederfinden und damit die Zuordnung von
Bachelor und Master und PHD möglich ist. Bisher haben die
Hochschulvertreter diese Frage immer mit Ja beantwortet. Die
Hochschulrektorenkonferenz stellt das jetzt in Zweifel.
Nenne bitte drei Gründe,
warum die Gewerkschaften sich
für den DQR einsetzten sollen?
Ein gut gemachter Deutscher
Qualifikationsrahmen schafft
Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Kolleginnen und Kollegen. Gut
gemacht, damit meine ich die Zuordnung aus allen Bildungsbereichen auf
alle Niveaus. Ein guter Qualifikationsrahmen muss sich daran messen
lassen, ob es möglich ist, auch das höchste Niveau zu erreichen, ohne
die Hochschule einen Tag von innen gesehen zu haben. Wenn das gegeben
ist, hätten beruflich qualifizierte wirklich einen Vorteil durch den
Deutschen Qualifikationsrahmen. Sie könnten ab 2012 einen Nachweis in
ihrem Qualifikationsnachweisen haben, dass sie auch ein Niveau 6 oder 7
oder im günstigsten Fall sogar 8 erreicht haben.
Darüber hinaus: Wir können nicht
absehen, welche Dynamik der
Deutsche Qualifikationsrahmen in der Zukunft auslöst. In den anderen
Ländern Europas, die zurzeit auch nationale Qualifikationsrahmen
entwickeln, wird sehr offen die Frage diskutiert, ob ein
Qualifikationsrahmen auch für tarifliche Bewertungen genutzt werden
kann. Ich halte das unter den gegebenen Bedingungen für die
Bundesrepublik Deutschland für einen abwegigen Gedanken, er ist aber
für die Zukunft nicht auszuschließen. Ein weiterer Punkt: Die
Diskussion um den Deutschen Qualifikationsrahmen eröffnet auch
Türen
für die Zuordnung nonformal und informell erworbener Kompetenzen.
Dabei geht es für unsere Kolleginnen und
Kollegen insbesondere um
die Bewertung von Berufserfahrungen, die im Verlauf der Tätigkeit
gemacht werden. Ein Qualifikationsrahmen könnte helfen, diese non -
formal und informell erworbenen Kompetenzen auch ohne formale
Abschlüsse zuzuordnen.
Auf wie viele Niveaustufen
werden die Berufe des Dualen
Systems am Ende des Tages eingestuft sein?
Wir haben uns in der DQR Arbeitsgruppe
des Bundesinstituts für
Berufsbildung auf folgende Linie verständigt: Das Abitur sollte
grundsätzlich nicht über den BBiG Berufen liegen. Da zwischenzeitlich
deutlich wird, dass das Abitur dem Niveau 5 zugeordnet werden soll,
heißt das: BBiG Berufe müssen auch dem Niveau 5 zugeordnet werden. Das
sollte meiner Meinung nach aber nur für drei und dreieinhalb jährige
Berufe gelten. Bei zweijährigen Berufen, beispielsweise dem
Speiseeishersteller, kann ich mir schwer vorstellen, wie hier glaubhaft
eine Zuordnung auf das Niveau 5 möglich sein soll. In der Konsequenz
könnte es darauf hinaus laufen, dass wir eine Zuordnung der BBiG Berufe
auf die Niveaus 4 und 5 haben.
Generell könnte gelten, drei und
dreieinhalb jährige Berufe auf das
Niveau 5, zweijährige Berufe auf das Niveau 4. Ich habe den Eindruck,
dass die Arbeitgeberseite diesen Vorschlag auch mit unterstützt. Aber,
der Deutsche Qualifikationsrahmen soll im Konsens erarbeitet werden.
D.h., wir müssen das auch mit der Hochschule und auch mit der
Schulseite diskutieren. Wir haben uns auf ein konsensuales Verfahren
der Zuordnung verständigt.
Sind die vier Deskriptoren
Wissen, Fertigkeiten, Sozial-
und Selbstkompetenz eigentlich haltbar oder müssen sie verändert werden?
Der Deutsche Qualifikationsrahmen zielt
darauf ab,
Handlungskompetenz zu beschreiben. Um Handlungskompetenz zu beschreiben
brauchen wir aber auch Beschreibungen der Sozial- und Selbstkompetenz
auf allen Niveaus. Die Logik des Europäischen Qualifikationsrahmens
hilft uns hier nicht. Der Europäische Qualifikationsrahmen geht aus von
Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenz. Kompetenz ist dem Wissen und
der Fertigkeiten nebenstehend. Wir gehen von einer integrierten
Beschreibung und Definition von Handlungskompetenz aus als Einheit von
Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz. Nur darüber ist es möglich,
Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung adäquat
zu beschreiben.
Hat der DQR in seiner
jetzigen Ausführung eine Chance
auf Realisierung?
Ich bin sehr gespannt. Wir erleben in
diesen Wochen das
Muskelspielen der Allgemeinbildung und der Hochschulseite. Im Moment
geht es sehr wenig darum, wie die Zuordnung von Qualifikationsprofilen
zum Qualifikationsrahmen konzeptionell begründet werden kann. Faktisch
geht es im Moment um eine politische Setzung von Bildungsgängen. Das
ist nicht gut, beschreibt die aktuelle Situation aber ziemlich klar. Ob
der Deutsche Qualifikationsrahmen auch im Sinne der Gewerkschaften
erfolgreich wird, hängt davon ab, ob die für uns entscheidenden Ziele,
nämlich Förderung von Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit zwischen
allgemeiner und beruflicher Bildung, gefördert werden oder nicht.
Zugespitzt könnte man sagen: Wir führen
zurzeit einen Kulturkampf
zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung. Ich fühle mich bei
einzelnen Beiträgen der Hochschulseite an die 60er Jahre des letzten
Jahrhunderts erinnert: Unter den Talaren, der Mief von 1000 Jahren!
Wenn es gelingt, wirklich den konsensualen Prozess zwischen allen
Bildungsbereichen weiter zu führen, auf die unterschiedlichen
Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen und das Ziel eines
bildungsbereichsübergreifenden Ansatzes weiter zu verfolgen, könnte am
Ende ein Rahmen entstehen, der mehr Chancengleichheit schafft.
Neues Deutschland 06.03.2010
Häppchenausbildung durch Europa?
Gewerkschafter: Europäischer
Qualifikationsrahmen bietet Chancen
und Risiken
Von Marcus Schwarzbach
Durch fortschreitenden
technischen Wandel veraltet
Wissen schneller als früher. Auf EU-Ebene sollen jetzt einheitliche
Regelungen für die berufliche Bildung eingerichtet werden.
Gewerkschafter sehen das allerdings mit Sorge.
Die Bedeutung der Qualifikation nimmt für die
Beschäftigten zu. Nach dem Berufsbildungsgesetz soll im Betrieb die
berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt werden und nicht nur einzelne
abgrenzbare Fertigkeiten. Diesen umfassenden Ausbildungsbegriff sehen
Gewerkschafter durch den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR)
gefährdet, falls sich das angelsächsische Modell der
Häppchen-Ausbildung durchsetzt. Ziel der EU-Mitgliedsstaaten ist, einen
einheitlichen Rahmen für die Vergleichbarkeit der Ausbildung bis 2012
zu erreichen.
Die Bundesregierung will sich mit dem »Deutschen
Qualifikationsrahmen« (DQR) auf diese Diskussion vorbereiten. Neben
Bildungsexperten arbeiten auch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften
den DQR mit aus. »Nach vielen Diskussionen sind wir auf einem guten
Weg«, sagt ver.di-Bildungsexpertin Uta Kupfer. Wichtig bei der
Ausgestaltung sei, dass die höchsten Niveaus nicht automatisch und
allein auf akademischen Bildungswegen zu erreichen sind, sondern dass
beruflich erworbene Fähigkeiten gleichwertig sein können – eine alte
Gewerkschaftsforderung. Das duale Ausbildungssystem der Bundesrepublik
genieße weltweit einen guten Ruf, da es Praxiserfahrung und Lernen der
Theorie in einer umfassenden Ausbildung verknüpft, betont Kupfer.
Bildungsforscher
Harry Neß vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische
Forschung hat maßgeblich den »Profilpass« entwickelt, in dem die
individuellen Kompetenzen beschrieben werden. Unabhängig sei die Frage
des Erwerbs des Wissens, sei es im Arbeitsprozess, in Universität oder
Schule, sagt Neß. Die Trennung zwischen Hand- und Kopfarbeit sei nicht
mehr ohne Weiteres möglich, da die Übergänge fließend seien:
Produktionsmitarbeiter übernehmen Aufgaben, die vormals noch
Angestellte in separaten Abteilungen ausgeübt haben. Sie führen die
Material-Disposition aus, übernehmen Vorbereitungstätigkeiten und
Wartung der Anlagen. Bei Teamarbeit suchen Arbeiter, angestellte
Elektriker, Ingenieure und Softwarespezialisten gemeinsam nach
Problemlösungen und vertreten sich auch oft bei einer Reihe von
Tätigkeiten gegenseitig. »Der DQR darf nicht zu einem Zerschneiden der
Berufe führen, sondern muss zur Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit
beitragen. Da ziehen Arbeitgeber und Gewerkschaften an einem Strang«,
bekräftigt Uta Kupfer von ver.di. Kompetenzen sollten gewichtet und
europaweit vergleichbar werden. Kupfer sieht reelle Chancen dafür, dass
künftig das gesamte, lebenslang erworbene Know-how von Beschäftigten
zählt, nicht nur ein offizieller Abschluss.
Kritiker sehen
dagegen die Tendenz zur Schwächung des dualen Ausbildungssystems über
die europäische Ebene nicht gebannt. Bestätigt sehen sich Skeptiker
durch die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische
Anfrage, ob die EU-Entwicklung auch dazu führen wird, dass sich
deutschlandweit Bildungswege besser vergleichen lassen. Das beträfe
auch die Berufsschullehrpläne. Die offizielle Regierungsantwort lautete
schlicht: Dafür »tragen die Länder Verantwortung.«
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ließ im letzten Jahr
lediglich ein Konzept zur »Modulausbildung« erarbeiten. Danach sollen
Ausbildungsberufe nur noch als einzeln Teilqualifikationen mit
Zertifikat existieren. Wie der Deutschen Qualifikationsrahmen auf
europäischer Ebene vertreten wird, bleibt also abzuwarten.
URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/145001.haeppchenausbildung-durch-europa.html