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aus: http://www.netzwerk-weiterbildung.de/meldung_volltext.php?si=1&id=4ba8f544c2ce5&akt=news&view=&lang=1

Kempen: "Bürokratisches und dirigistisches Konzept mit Scheingenauigkeit"

DHV lehnt Pläne für Umsetzung eines Europäischen Qualifikationsrahmens ab     

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) ruft Bund und Länder dazu auf, die Errichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) sowie dessen Umsetzung in nationales Recht zu stoppen. Bildungsübergreifend soll die in der Europäischen Union erreichte individuelle Qualifikation einer von acht Niveaustufen zugeordnet werden. "Die Kategorisierung in acht Kompetenzstufen beinhaltet notwendigerweise hierarchisierende und diskriminierende Wirkungen und Wertungen. Dieses dirigistische und menschenverachtende Vorhaben ist ein zum Scheitern verurteilter erneuter Versuch, kulturelle Vielfalt in ein europäisches Einheitsschema zu pressen", erklärte DHV-Präsident, Professor Dr. Bernhard Kempen.

Die Implementierung eines Europäischen Qualifikationsrahmens sei ein Beschäftigungsprogramm für Technokraten und werde lediglich der Akkreditierungs-und Evaluationsbürokratie Auftrieb geben. Dem enormen Verwaltungsaufwand stehe kein erkennbarer Nutzen gegenüber. "Mit Scheingenauigkeit werden weder Transparenz noch Mobilität gefördert", hob Kempen hervor. "Die leidvollen Erfahrungen des Bologna-Prozesses in Deutschland lehren, dass administrative Überregulierung begrüßenswerte Zielsetzungen konterkariert."

Außerdem fehle den im Diskussionsvorschlag für einen Deutschen Qualifikationsrahmen zugrundeliegenden Kategorien Wissen, Fertigkeiten und personale Kompetenz jegliche präzise Aussagekraft und Trennschärfe. Bildung werde erneut auf ökonomischen Nutzen und Verwertbarkeit reduziert. Die Bindungswirkungen und Rechtsfolgen, die den Zuweisungen in eine Kompetenzstufe zukünftig zukommen sollen, seien vollends unklar.

Beruflich Qualifizierten, so Kempen weiter, auf Grund des Nachweises einer entsprechenden Kompetenzstufe per se den Direkteinstieg in ein Studium zu ermöglichen, sei autonomiefeindlich und verstoße gegen das Recht der Hochschulen, die Studienaufnahme an inhaltliche Voraussetzungen zu knüpfen. "Trotz der grundsätzlichen Gleichwertigkeit von akademischer und nicht-akademischer Bildung darf nicht ihre prinzipielle Andersartigkeit geleugnet werden", erklärte der DHV-Präsident. "Mit dem Qualifikationsrahmen wird über die Hintertür der Unterschied von beruflicher und akademischer Bildung eingeebnet und den Hochschulen eine neue Klientel zugewiesen."

Durchlässigkeit müsse angemahnt werden, wenn trotz nachgewiesener Leistung eine Bildungs- und Ausbildungskarriere behindert würde. "Für Leistungsstandards bürgen die bisherigen Bildungsabschlüsse, die nunmehr systematisch entwertet werden. Einen Nachweis, dass Verfahren, die sich ausschließlich an Lernergebnissen orientieren, Qualität garantieren, gibt es bislang nicht", so Kempen abschließend.

Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit rund 25.000 Mitgliedern.


Quelle: bildungsklick.de


aus: http://www.igmetall-wap.de/node/4170

Die Arbeiten am Deutschen Qualifikationsrahmen sind ausgesetzt - Hochschulen fordern kompletten Neustart

Das Interview | Bildung
Verfasst von Klaus Heimann am 15. März 2010 - 17:09.

Der Erarbeitungsprozess für den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) ist ins Stocken geraten. Die vier Arbeitsgruppen, die den DQR auf seine Praxistauglichkeit untersuchen, haben zunächst - auf Antrag der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände - ihre Arbeit unterbrochen. Sie verlangen von der Kultusminister-Konferenz (KMK), dass diese dargelegt und begründet, auf welchen Niveaustufen die allgemeinbildenden Abschlüsse angesiedelt werden sollen. Alle vier Gruppen wollen prüfen, ob ihr Zuordnungskonzept noch stimmig ist, wenn z.B. das Abitur der Niveaustufe fünf zugeordnet ist. Nicht nur die Schulen machen Ärger, sondern auch die Hochschulrektorenkonferenz: Sie verlangen gar, die Erarbeitung des DQR in seiner jetzigen Form sofort abzubrechen. Im Interview mit WAP erläutert Hermann Nehls, vom DGB Bundesvorstand und gewerkschaftlicher Koordinator im DQR-Prozess, wie der Stand der Arbeiten ist und wo es derzeit hakt.

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben ihre Mitarbeit beim DQR in den vier eingesetzten Arbeitsgruppen (IT, Metall- und Elektro, Gesundheit, Handel) ausgesetzt. Was ist passiert?

Die Gewerkschaften und Arbeitgeber haben immer schon gefordert, dass die Kultusminister-Konferenz (KMK) ihre Vorstellung zur Zuordnung allgemeinbildender Abschlüsse mit in die Diskussion einbringt. Es hat sich in den Arbeitsgruppen gezeigt, dass die Zuordnung allgemeinbildender Abschlüsse durchaus wichtig ist für die Frage, wo am Ende die Zuordnung der BBiG-Berufe in einem Deutschen Qualifikationsrahmen vorgenommen werden soll. Die KMK hat sich über Monate geweigert, sich konstruktiv an dem 2. Erarbeitungsprozess zu beteiligen.

Sie hatte dann zugesagt, ihre Vorstellungen in die letzten Arbeitsgruppensitzungen einzubringen. Das ist aber nicht passiert. Wir haben die Gefahr gesehen, dass die Arbeit in den vier Arbeitsgruppen mit Vorschlägen für die Zuordnung von BBiG-Berufen abgeschlossen wird und die KMK dann im Nachhinein sagt, wie die Zuordnung der allgemeinbildenden Abschlüsse aussehen soll. Konkret geht es um die Frage, auf welchem Niveau das Abitur zugeordnet werden soll.

Was sind die Hintergründe dafür, dass die KMK sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen hält?

Es könnte sein, dass die KMK es aus innerorganisatorischen Gründen nicht geschafft hat, sich rechtzeitig zu positionieren. Eine andere Interpretation könnte sein, dass die KMK bewusst ihre Vorstellungen zurückgehalten hat, um die Akteure der Berufsausbildung erst einmal dazu zu bringen, Vorschläge zu machen. Damit wäre auch klar, wer die Federführung in diesem Verfahren hat:

Die KMK könnte sich am Ende immer noch vorbehalten, wie die Zuordnung vorgenommen wird. Das ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Wir gehen von einem bildungsbereichsübergreifenden Deutschen Qualifikationsrahmen aus, der konsensual zwischen allen Akteuren diskutiert und erarbeitet wird.

Gehören die allgemeinbildenden schulischen Abschlüsse in ein DQR?

Da wir einen Qualifikationsrahmen  - und keinen Qualifizierungsrahmen - entwickeln wollen, ist es erst einmal schwierig nachzuvollziehen, warum allgemeinbildende schulische Abschlüsse überhaupt in einem Deutschen Qualifikationsrahmen enthalten sein sollen. Um einen bildungsbereichsübergreifenden Rahmen zu entwickeln, brauchen wir aber die Zuordnung allgemeinbildender Abschlüsse.

Der Ansatz des DQR liegt ja gerade darin, die Versäulung der Bildung in der Bundesrepublik Deutschland zu überwinden, Durchlässigkeit und vor allem auch Gleichwertigkeit zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Qualifikationsprofilen darzustellen. Trotzdem bleibt natürlich die Frage, wie viel Handlungskompetenz allgemeinbildende schulische Abschlüsse vermitteln.

Ist der Eindruck richtig, dass sich zunehmend Widerstand auch bei den Hochschulen gegen die jetzige Fassung des DQR organisiert?

Ja, das ist der Fall. Vor wenigen Tagen hat die Hochschulrektorenkonferenz getagt und eine Erklärung verabschiedet. Bei dieser Erklärung läuft es im Kern darauf hinaus, das gesamte Erarbeitungsverfahren des Deutschen Qualifikationsrahmens in Frage zu stellen und einen aus Sicht der Hochschulen notwendigen neuen Ansatz zu entwickeln. Ich denke, dass es der Hochschule vor allem darum geht, die Zuordnungshoheit für die Niveaus 6,7, und 8 zu behalten. Sie machen es vor allen Dingen daran fest, dass die DQR Matrix zu sehr die Handschrift der Berufsbildung trägt und die Wissenschaft nicht ausreichend repräsentiert sei.

Das Vorgehen ist verwunderlich, weil die Vertreterinnen und Vertreter der Hochschule von Anfang an bei der Entwicklung des DQR dabei waren. Dieses Verhalten wurde auch am 12. März 2010 im Rahmen des Arbeitskreises DQR thematisiert. Der HRK Vertreter musste sich massive Kritik von allen Beteiligten anhören. Die entscheidende Frage bei der Entwicklung der DQR Matrix war, ob die sogenannten Dublin Deskriptoren sich in der DQR Matrix wiederfinden und damit die Zuordnung von Bachelor und Master und PHD möglich ist. Bisher haben die Hochschulvertreter diese Frage immer mit Ja beantwortet. Die Hochschulrektorenkonferenz stellt das jetzt in Zweifel.

Nenne bitte drei Gründe, warum die Gewerkschaften sich für den DQR einsetzten sollen?

Ein gut gemachter Deutscher Qualifikationsrahmen schafft Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Kolleginnen und Kollegen. Gut gemacht, damit meine ich die Zuordnung aus allen Bildungsbereichen auf alle Niveaus. Ein guter Qualifikationsrahmen muss sich daran messen lassen, ob es möglich ist, auch das höchste Niveau zu erreichen, ohne die Hochschule einen Tag von innen gesehen zu haben. Wenn das gegeben ist, hätten beruflich qualifizierte wirklich einen Vorteil durch den Deutschen Qualifikationsrahmen. Sie könnten ab 2012 einen Nachweis in ihrem Qualifikationsnachweisen haben, dass sie auch ein Niveau 6 oder 7 oder im günstigsten Fall sogar 8 erreicht haben.

Darüber hinaus: Wir können nicht absehen, welche Dynamik der Deutsche Qualifikationsrahmen in der Zukunft auslöst. In den anderen Ländern Europas, die zurzeit auch nationale Qualifikationsrahmen entwickeln, wird sehr offen die Frage diskutiert, ob ein Qualifikationsrahmen auch für tarifliche Bewertungen genutzt werden kann. Ich halte das unter den gegebenen Bedingungen für die Bundesrepublik Deutschland für einen abwegigen Gedanken, er ist aber für die Zukunft nicht auszuschließen. Ein weiterer Punkt: Die Diskussion um den Deutschen Qualifikationsrahmen  eröffnet auch Türen für die Zuordnung nonformal und informell erworbener Kompetenzen.

Dabei geht es für unsere Kolleginnen und Kollegen insbesondere um die Bewertung von Berufserfahrungen, die im Verlauf der Tätigkeit gemacht werden. Ein Qualifikationsrahmen könnte helfen, diese non - formal und informell erworbenen Kompetenzen auch ohne formale Abschlüsse zuzuordnen.

Auf wie viele Niveaustufen werden die Berufe des Dualen Systems am Ende des Tages eingestuft sein?

Wir haben uns in der DQR Arbeitsgruppe des Bundesinstituts für Berufsbildung auf folgende Linie verständigt: Das Abitur sollte grundsätzlich nicht über den BBiG Berufen liegen. Da zwischenzeitlich deutlich wird, dass das Abitur dem Niveau 5 zugeordnet werden soll, heißt das: BBiG Berufe müssen auch dem Niveau 5 zugeordnet werden. Das sollte meiner Meinung nach aber nur für drei und dreieinhalb jährige Berufe gelten. Bei zweijährigen Berufen, beispielsweise dem Speiseeishersteller, kann ich mir schwer vorstellen, wie hier glaubhaft eine Zuordnung auf das Niveau 5 möglich sein soll. In der Konsequenz könnte es darauf hinaus laufen, dass wir eine Zuordnung der BBiG Berufe auf die Niveaus 4 und 5 haben.

Generell könnte gelten, drei und dreieinhalb jährige Berufe auf das Niveau 5, zweijährige Berufe auf das Niveau 4. Ich habe den Eindruck, dass die Arbeitgeberseite diesen Vorschlag auch mit unterstützt. Aber, der Deutsche Qualifikationsrahmen soll im Konsens erarbeitet werden. D.h., wir müssen das auch mit der Hochschule und auch mit der Schulseite diskutieren. Wir haben uns auf ein konsensuales Verfahren der Zuordnung verständigt.

Sind die vier Deskriptoren Wissen, Fertigkeiten, Sozial- und Selbstkompetenz eigentlich haltbar oder müssen sie verändert werden?

Der Deutsche Qualifikationsrahmen zielt darauf ab, Handlungskompetenz zu beschreiben. Um Handlungskompetenz zu beschreiben brauchen wir aber auch Beschreibungen der Sozial- und Selbstkompetenz auf allen Niveaus. Die Logik des Europäischen Qualifikationsrahmens hilft uns hier nicht. Der Europäische Qualifikationsrahmen geht aus von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenz. Kompetenz ist dem Wissen und der Fertigkeiten nebenstehend. Wir gehen von einer integrierten Beschreibung und Definition von Handlungskompetenz aus als Einheit von Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz. Nur darüber ist es möglich, Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung adäquat zu beschreiben.

Hat der DQR in seiner jetzigen Ausführung eine Chance auf Realisierung?

Ich bin sehr gespannt. Wir erleben in diesen Wochen das Muskelspielen der Allgemeinbildung und der Hochschulseite. Im Moment geht es sehr wenig darum, wie die Zuordnung von Qualifikationsprofilen zum Qualifikationsrahmen konzeptionell begründet werden kann. Faktisch geht es im Moment um eine politische Setzung von Bildungsgängen. Das ist nicht gut, beschreibt die aktuelle Situation aber ziemlich klar. Ob der Deutsche Qualifikationsrahmen auch im Sinne der Gewerkschaften erfolgreich wird, hängt davon ab, ob die für uns entscheidenden Ziele, nämlich Förderung von Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung, gefördert werden oder nicht.

Zugespitzt könnte man sagen: Wir führen zurzeit einen Kulturkampf zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung. Ich fühle mich bei einzelnen Beiträgen der Hochschulseite an die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert: Unter den Talaren, der Mief von 1000 Jahren! Wenn es gelingt, wirklich den konsensualen Prozess zwischen allen Bildungsbereichen weiter zu führen, auf die unterschiedlichen Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen und das Ziel eines bildungsbereichsübergreifenden Ansatzes weiter zu verfolgen, könnte am Ende ein Rahmen entstehen, der mehr Chancengleichheit schafft.


Neues Deutschland 06.03.2010

Häppchenausbildung durch Europa?

Gewerkschafter: Europäischer Qualifikationsrahmen bietet Chancen und Risiken

Von Marcus Schwarzbach
Durch fortschreitenden technischen Wandel veraltet Wissen schneller als früher. Auf EU-Ebene sollen jetzt einheitliche Regelungen für die berufliche Bildung eingerichtet werden. Gewerkschafter sehen das allerdings mit Sorge.

Die Bedeutung der Qualifikation nimmt für die Beschäftigten zu. Nach dem Berufsbildungsgesetz soll im Betrieb die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt werden und nicht nur einzelne abgrenzbare Fertigkeiten. Diesen umfassenden Ausbildungsbegriff sehen Gewerkschafter durch den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) gefährdet, falls sich das angelsächsische Modell der Häppchen-Ausbildung durchsetzt. Ziel der EU-Mitgliedsstaaten ist, einen einheitlichen Rahmen für die Vergleichbarkeit der Ausbildung bis 2012 zu erreichen.

Die Bundesregierung will sich mit dem »Deutschen Qualifikationsrahmen« (DQR) auf diese Diskussion vorbereiten. Neben Bildungsexperten arbeiten auch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften den DQR mit aus. »Nach vielen Diskussionen sind wir auf einem guten Weg«, sagt ver.di-Bildungsexpertin Uta Kupfer. Wichtig bei der Ausgestaltung sei, dass die höchsten Niveaus nicht automatisch und allein auf akademischen Bildungswegen zu erreichen sind, sondern dass beruflich erworbene Fähigkeiten gleichwertig sein können – eine alte Gewerkschaftsforderung. Das duale Ausbildungssystem der Bundesrepublik genieße weltweit einen guten Ruf, da es Praxiserfahrung und Lernen der Theorie in einer umfassenden Ausbildung verknüpft, betont Kupfer.

Bildungsforscher Harry Neß vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung hat maßgeblich den »Profilpass« entwickelt, in dem die individuellen Kompetenzen beschrieben werden. Unabhängig sei die Frage des Erwerbs des Wissens, sei es im Arbeitsprozess, in Universität oder Schule, sagt Neß. Die Trennung zwischen Hand- und Kopfarbeit sei nicht mehr ohne Weiteres möglich, da die Übergänge fließend seien: Produktionsmitarbeiter übernehmen Aufgaben, die vormals noch Angestellte in separaten Abteilungen ausgeübt haben. Sie führen die Material-Disposition aus, übernehmen Vorbereitungstätigkeiten und Wartung der Anlagen. Bei Teamarbeit suchen Arbeiter, angestellte Elektriker, Ingenieure und Softwarespezialisten gemeinsam nach Problemlösungen und vertreten sich auch oft bei einer Reihe von Tätigkeiten gegenseitig. »Der DQR darf nicht zu einem Zerschneiden der Berufe führen, sondern muss zur Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit beitragen. Da ziehen Arbeitgeber und Gewerkschaften an einem Strang«, bekräftigt Uta Kupfer von ver.di. Kompetenzen sollten gewichtet und europaweit vergleichbar werden. Kupfer sieht reelle Chancen dafür, dass künftig das gesamte, lebenslang erworbene Know-how von Beschäftigten zählt, nicht nur ein offizieller Abschluss.

Kritiker sehen dagegen die Tendenz zur Schwächung des dualen Ausbildungssystems über die europäische Ebene nicht gebannt. Bestätigt sehen sich Skeptiker durch die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage, ob die EU-Entwicklung auch dazu führen wird, dass sich deutschlandweit Bildungswege besser vergleichen lassen. Das beträfe auch die Berufsschullehrpläne. Die offizielle Regierungsantwort lautete schlicht: Dafür »tragen die Länder Verantwortung.« Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ließ im letzten Jahr lediglich ein Konzept zur »Modulausbildung« erarbeiten. Danach sollen Ausbildungsberufe nur noch als einzeln Teilqualifikationen mit Zertifikat existieren. Wie der Deutschen Qualifikationsrahmen auf europäischer Ebene vertreten wird, bleibt also abzuwarten.