Ein
großer Einkaufswagen und drei kleine, darüber der Satz
"Bildung ist
keine Ware - wir lassen uns nicht verkaufen". So brachten gestern
Personalräte und Gewerkschafter ihre Bedenken gegen die geplante
"Lehrer-GmbH" auf den Punkt.
Schauplätze waren eine große Personalversammlung in der
Messehalle 7
und eine anschließende, erheblich kleinere Demonstration auf dem
Marktplatz.
Wie betroffen sich Bremens Pädagogen von den Plänen der
Bildungsbehörde
fühlen, eine so genannte "Gesellschaft für
Bildungsinfrastruktur" zu
gründen, machte der Besuch der Versammlung deutlich: Mit ihren
über
2000 Stühlen war die Halle voll besetzt. Zwei Stunden redeten
Personalratsvertreter (aus den Bereichen Schulen, Verwaltung und
Landesinstitut für Schule) sowie geladenen Fachleute und
Betroffene die
GmbH-Pläne von Bildungssenator Willi Lemke (SPD) in Grund und
Boden.
Bereits im Vorfeld hatten die Kritiker betont: Mit der GmbH werde die
Verfassung umgangen, der Einstieg in die Privatisierung des
Bildungswesens vollzogen und vor allem mit "Taschenspielertricks"
versucht, an Geld heran zu kommen, das nicht vorhanden ist. Rolf Becker
(Personalrat Schulen): "Die GmbH ist eine Geldbeschaffungsaktion, um
eine neue Kreditaufnahme zu umgehen." Die Behördenspitze
argumentiere
mit Qualitätsoffensive und Effizienzgewinn. In Wirklichkeit
bedeute
dies auf Neudeutsch jedoch nur sparen und kürzen. Becker: "Wir
wollen,
dass das, was Bildung benötigt, normal über den
Landeshaushalt zur
Verfügung gestellt wird."
Vorher hatte Senatsrat Werner Meinken mit Blick auf PISA- und
IGLU-Ergebnisse sowie die bremische Haushaltsnotlage die Schule als ein
"zentrales Umbauelement" bezeichnet. Von der GmbH, die laut Meinken
vorläufig nicht die Pädagogen, sondern nur die schulischen
Dienstleister betreffen werde, verspricht man sich in der
Bildungsbehörde unter anderem eine größere
Selbstständigkeit der
Schulen. Meinken: "Die GmbH soll als Service für die Schulen
gegründet
werden." Am 13. April, gleich nach Ostern, will die Behörde ihre
Vorlage den zuständigen Politikern präsentieren.
Der Berliner Rechtsanwalt Ralf Trümner, vormals für die
SPD-nahe
Hans-Böckler-Stiftung aktiv, ging süffisant und gnadenlos mit
den
Privatisierungs-Plänen ins Gericht. Der Jurist: "Es geht hier um
reine
Taschenspielertricks. Würde man sich im Konzernrecht bewegen,
befände
man sich mit der GmbH an der Grenze zum Bilanzbetrug." Leichtfertige
Kreditaufnahmen von Gesellschaften, die dem Staat nahe stehen, seien
durch die Landeshaushaltsordnung verboten. Im übrigen müsse
die
allgemeine Bildung von öffentlichen Einrichtungen getragen werden.
So
sehe es die Landesverfassung vor. Mit der "Lehrer-GmbH", in ihrer Art
in Deutschland bislang einmalig, so Trümner, deute sich ein
Verfassungskonflikt an.
Bremen als kleines Rädchen der globalisierten
Privatisierungsmaschinerie - so skizzierte Lehrer Arno Armgoort die
internationalen Zusammenhänge. Er warnte vor der Abgabe der
öffentlichen Kontrolle bei der Bildung.
Und er kritisierte auch eine zu enge Zusammenarbeit zwischen privaten
Unternehmen und Schulen - "zum Beispiel, wenn am Ende die Coca-
Cola-Automaten direkt im Klassenzimmer stehen."
taz-bremen
23.03.04
Bremen taz
Fast
2.500 aufgebrachte Bremer LehrerInnen waren gestern der Einladung der
Personalräte zur Personalversammlung gefolgt. Anlass war die vom
Senat
geplante Gründung einer "GmbH für Bildungsinfrastruktur". Das
Personal
fürchtet, dass diese Auslagerung behördlicher Leistungen in
eine
privatrechtliche Gesellschaft der erste Schritt einer Privatisierung
der Bremer Schulen ist.
Fest steht, dass im Rahmen der Haushaltssanierung im Bildungsressort 25 Millionen Euro gekürzt werden sollen. Über eine Kreditaufnahme der GmbH sollen diese wieder reingeholt werden. "Die Verfassung wird dadurch einfach umgangen. Solche Haushaltstricksereien wollen wir nicht", protestierte Rolf Becker vom Personalrat Schulen. Der ab 2006 vom Senat erwartete jährliche "Effizienzgewinn" von acht Millionen Euro sei nur über den Abbau von Stellen möglich. Werner Meinken vom Senator für Bildung hält dagegen: "Jeder Schulleiter wird selbst die Verantwortung für den Haushalt an seiner Schule tragen. Wir wollen mehr Eigenständigkeit und eine bessere Qualität in den Schulen." Er konnte die Lehrer nicht überzeugen: Mehr als 100 von ihnen zogen gleich weiter zur Demo auf den Marktplatz. "amb