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Horst Bethge

Die schleichende Revolution des Kapitals – Bertelsmann und Schule

  1. Im Bildungssystem der Bundesrepublik vollzieht sich gegenwärtig eine schleichende Revolution. Derselbe Vorgang wurde auch als „neoliberale „Reform“walze (Thomas Barth)1), als totalitärer Einfluss des Bertelsmann-Konzerns auf die Gesellschaft (Günther Gaus)2), das Wirken „einer hochgefährlichen Krake“ (Albrecht Müller, früher Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter W. Brandt und H. Schmidt)3) oder als „Griff nach der Staatsmacht“ (Spiegel) 4) bezeichnet. Da der Bertelsmann-Konzern mittels seiner Stiftung und der aufgebauten Netzwerke in alle Bereiche staatlichen und öffentlichen Handelns eingreift (was sogar schon die Frage provoziert hat, warum er nicht wie der König im Absolutismus, alles selber entscheidet und durchführen lässt, so dass  Wahlen und Demokratie überflüssig werden können, vgl. Arno Klönne 5) und anders als die öffentliche Hand enorme Summen für strategische Reformen zur Verfügung hat – in den letzten Jahren ist von 400 Mill. € dafür die Rede – und zudem noch als der 4. größte Medienkonzern auch für die Publizität und Aufmerksamkeit sorgen kann, wäre es ein Wunder, wenn ausgerechnet die Schule ausgespart bliebe. Garantiert sie doch institutionell Einfluss auf  die junge Generation, auf die Kräfte, die in Zukunft die Gesellschaft gestalten. So konzentrierten sich hier mittlerweile sogar die Bemühungen der Bertelsmann-Stiftung (BS). Das ist aber nur die eine Seite, und es ist gut, dass sie jetzt kritischer und systematischer beobachtet  und analysiert wird und in die politische Auseinandersetzung kommt.
  1. Die andere Seite ist aber, wie reagieren die anderen Akteure in der Schule darauf: Die Schüler, die Eltern, die Lehrer, die Schulbehörden. Wieso lassen sie zu, dass die BS so einen Einfluss im Bildungsbereich haben kann, dass sie sogar als „die gute Regierung“ des Bildungswesens“ gelten kann? 6) Auf dem Hintergrund meiner 40jährigen Schulpraxis fast am unteren Ende der Bildungshierarchie, als Lehrer an einer Hamburger Grund-, Haupt- und Realschule 7) in einem Arbeiter und Angestellten-Viertel (Bramfeld-Steilshoop) und ununterbrochenem bildungspolitischen Engagement in Gewerkschaft, Personalrat und politischen Parteien, also mit dem Privileg, sowohl die kleinteilige und kleinschrittige Konkretion vor Ort, als auch den überörtlichen Vergleich, die Diskussion um Analysen und Einschätzungen und Konzepte mitbekommen zu haben, werde ich dafür  Erklärungen versuchen.

    2.1.Der Einbruch neoliberaler Ordnungsvorstellungen im Bildungsbereich einerseits, die Zunahme von Reformforderungen und zumeist örtlichen Protesten haben Ursachen, die zusammengehören:

·                    Anders als in vergleichbaren Industriestaaten in Westeuropa, Skandinavien, Nordamerika und Australien/Neuseeland hielt sich in Deutschland (teilweise auch in Österreich und der Deutsch-Schweiz) das seit dem 19. Jahrhundert herausgebildete, gegliederte Bildungssystem bis heute: niedere, mittlere und höhere Schulen, ergänzt durch das Anfang des 20. Jahrhunderts darauf gesetzte Berufsschulsystem. In den 20iger Jahren gelang der Durchbruch zum einheitlichen Bildungswesen (Reichsschulkonferenz 1920) nur in der Grundschule. Nach der Nazizeit kehrte man in Westdeutschland zu dieser Struktur zurück, in Bremen, Berlin und Hamburg wurde die Einheitlichkeit bis Kl. 6 hochgezogen, Lehr- und Lernmittelfreiheit sowie Schulgeldfreiheit und die Konfessionsfreiheit wurden bis in die 50iger Jahre durchgesetzt. In der DDR wurden Einheitsschulen mit polytechnischer Orientierung schrittweise eingeführt. Nach dem Sputnik-Schock 1957, dem Weckruf  Pichts vor der drohen Bildungskatastrophe und der Gefahr des technologischen Zurückbleibens kam es zu einer technokratischen Modernisierung im Westen. In der DDR wurde das einheitliche, sozialistische Bildungssystem bis Kl. 10 komplettiert 1989-1991 keimte Hoffnung auf – und zahlreiche Basisinitiativen transportierten sie in entsprechend demokratische Praxis – dass nun eine doppelt nachholende Reform (O. Negt) des Bildungssystems erfolgen würde. Diese Hoffnung wurde ebenso enttäuscht wie in allen Jahren danach, wobei permanente Kürzungen im Bildungsbereich, drastische Intensivierung der Binnenrationalisierung, Schulschließungen und Frequenzerhöhungen die Lern- und Arbeitsbedingen verschlechterten. Die Gewerkschaften führten eine Abwehrschlacht nach der anderen, die allenfalls zu Verzögerungen führten. Lehrerstreiks, Eltern, Schüler und Studentendemonstrationen erreichten Aufschub, lokal oder bereichsspezifische Milderungen oder zeitweise Kürzungsrücknahmen, dann  aber auf Kosten anderer, benachbarter Bereiche. Sponsoring, Drittmitteleinwerbung, Gebührenerhöhungen, Outsourcing banden Aktivitäten.
2.2. Mit regionalen Unterschieden kann man festhalten, dass die Lehrer im Durchschnitt drei Wochenstunden mehr (im Osten fünf Wochenstunden) in Klassen mit 5-6 Schülern zusätzlich, bei Kürzungen des Schulbuchetats um 22 % (wie ein Hamburger Schulleiter ausrechnete), bei Schwimmunterricht (den die Eltern bezahlen müssen), bei gekürzten Zuschüssen für Ausflüge und Klassenreisen, bei Wegfall von 70 % der Förder- und Teilungsstunden (in Hamburg) unterrichten müssen. Für eine normale Hauptschulklasse von 25 Schülern, die einen Abschluss haben, bedeutet das in allen Ballungsgebieten, dass höchstens ein Schüler einen Ausbildungsplatz im dualen System erhält, 3-4 gehen zur Handelsschule weiter und der Rest absolviert Warteschleifen aller Art. In den neuen Bundesländern erhält in den Flächenländern niemand, in Bayern, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg erhalten auf dem Lande 2-3 einen Ausbildungsplatz. Bei Kindern mit Migrationshintergrund sieht alles noch schlechter aus. Gab es  früher in Mathe und Deutsch zwei verpflichtende Klassenarbeiten pro Halbjahr, so gibt es heute: bundesweite Tests (PISA, IGLU usw., insgesamt 29) bundesweite Vergleichsarbeiten, Tests und Klassenarbeiten zuhauf. Siebtklässler schreiben mindestens eine Arbeit / einen Test pro Woche – und die Lehrer müssen das alles korrigieren und bewerten. Konnten früher Lehrer-Konferenzen, Personalräte, Klassenkonferenzen in fast allen Bundesländern mehr mitbestimmen als heute – bis hin zur Wahl der Schulleitungen auf Zeit (Hamburg, Bremen) – so ist  jetzt mehr reguliert, eingezwängt als früher. Die Schulleiter sind heute Dienstvorgesetzte mit Anordnungsbefugnis. Das Kürzel „selbstverwaltete Schule“ heißt  zuerst, dass die Schulleitung mehr Rechte bekommen hat. Dafür ist sie aber auch direkter Ansprechpartner bei Protesten gegen Kürzungen und Verschlechterungen. Da sie zugleich die regelmäßigen Beurteilungen abzufassen hat, die über die angewachsenen „leistungsabhängigen Gehaltsbestandteile“ (Zulagen nach der Änderung des Beamtenrechtsrahmengesetzes)  entscheiden, kann man sich das veränderte Klima an den Schulen vorstellen.
2.3. In den neuen Bundesländern sehnen sich viele nach den Verhältnissen 1989-91 oder denen in der DDR zurück, in den alten wünschen sie die 70iger Jahre zurück. In den Bundesländern  wie Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, NRW und Hessen, wo die CDU-geführten Landesregierungen rot grün in den letzten Jahren ablösten, wurde das Kürzungsvolumen trotz oft gegenteiliger Versprechen beibehalten. Hinzu trat der systematische  Abbau von Mitbestimmungsrechten, Experimentierfreiräumen und integrativen Elementen im gegliederten Schulwesen (drastischere Kürzungen bei Gesamtschulen, Abbau von Orientierungsstufen, Anhebung von Notenschwellen beim Übergang zu weiterführenden Schulen, Einführung zentraler, landesweiter Prüfungen). Die eingeführten zentral erarbeiteten Standards (schularten- und fächerbezogen) ersetzen zunehmend die unter Mitwirkung von Schulpraktikern erarbeiteten Lehrpläne. Hatten in einer reformpädagogisch motivierten Welle in den 90iger Jahren etliche Schulen, besonders  Reform- und Gesamtschulen, Schulprogramme erarbeitet, bezogen auf die Schulgemeinde, sozial orientiert an der jeweiligen Schülerschaft, so wurde diesem Prozess eine Schulprogrammerstellung noch zentral vorgegebenen Kriterien von oben übergestülpt. Schulprogramme mussten zur Genehmigung eingereicht – und etliche nachträglich nach Behördenangaben geändert werden. Schulräte wurden durch Schulinspektoren ersetzt.  Lehrerfortbildung wurde in die Wochenenden und Schulferien verlagert, inhaltlich reglementiert und musste fortan selbst bezahlt werden. Die zunehmende Computerisierung beseitige die Dispositionsfreiheit der Schulen. Damit ist gemeint, dass die in der Schulpraxis vorherrschenden  Möglichkeiten, zu bestimmten Organisationsterminen abgefragte Daten zwecks besserer Lehrerzuweisung oder günstigerer Klassenteiler „schieben“ zu können, entfallen ist. Wenn also der 35. Schüler, der an einer, sagen wir einmal, bayrischen Schule, vor einem Organisationsstichtag angemeldet wurde, und das dazu führte, dass wegen des verordneten Klassenteilers von 35 an der Schule nun zwei Klassen zu 17und 18 SchülerInnen eingerichtet werden konnten, war das von Vorteil für die Schule.  Sie erhielt dann für die nächste Zeit eine doppelt so hohe Lehrerzuweisung als bei einer Klasse mit 34 SchülerInnen. Noch drastischer wirkte sich die Verordnung aus, dass bei Unterfrequenz in der Klasse Lehrerstunden, und damit Unterricht, abgezogen wurde. Also nur bei hohen Klassenfrequenzen konnte Teilungs- und Förderstunden möglich  bleiben. Verteilte früher in vielen Bundesländern die Lehrerkonferenz die Abminderungsstunden für bestimmte Sammlungsämter (Chemieraum- oder Computerverwaltung, Fachleiterfunktion), so kann dies jetzt die  Schulleitung vergeben, was zudem noch gehaltsrelevant ist.  Diese  schulorganisatorischen Änderungen, die zumeist zur Verdichtung der Arbeit führten, trafen auf eine veränderte Schülerschaft, veränderte Familienverhältnisse, hohe Arbeitslosigkeit. Schon vor 18 Jahren hatte ich in einer meiner letzten 9. Hauptschulabgangsklasse bei 24 Schülern nach den Richtlinien  der Schulbehörde für Schülerfahrten-Zuschüssen zwei Schüler, die voll zahlen mussten. Alle anderen hatten Anspruch auf Zuschüsse (die inzwischen zusammengestrichen wurden!). Bei meinem GEW-Kollegen im benachbarten Gymnasium Kl. 9 hatte ein Schüler Zuschussanspruch. Diese soziale Spaltung hat sich in der ganzen BRD seit HARTZ IV erheblich verstärkt, vor allem in den Großstädten.
2.4. Überalterte LehrerInnen, viele von ihnen mit schul- und gesellschaftsveränderndem Anspruch, vor Jahren bewusst in den Schuldienst gegangen, voller Blessuren in Abwehrkämpfen, voller Hoffnung auf Bildungsreformen unter Brandt (gilt für die Älteren) oder noch 1989/90, voller neuer Hoffnungen auf Reformen unter rot-grün, von allen Reform-Wellen enttäuscht, voll belastet mit Korrekturen, Tests, überfüllten Klassen, um jeden Euro an Sachmitteln für Reagenzgläser-Ersatz, Schülerlexika, Computer im Klassenraum kämpfend, Geld sammelnd für Klassen- und Klassenreisen, örtliche Arbeitgeber abklappernd, ob sie nicht für Andrea oder Kevin eine Lehrstelle hätten – diese LehrerInnen  brauchen einen langen Atem, sich für Reformen noch zu begeistern zu können. In den neuen Bundesländern, die nach 1990 mehrere „Reformwellen“ überstehen mussten, hat sich geradezu eine Sucht nach „Ruhe“, eine Abwehr gegen „Reformen“ eingestellt – waren diese doch in aller Regel mit Kündigungen oder Stundenkürzungen (gleich Gehaltskürzungen) verbunden 8). Dazu trägt auch der Weggang der Jugend in vielen Kommunen , der Bevölkerungsrückgang der Städte bei. Dass in solcher Situation mancher ehemals „linke“ Kollege, mancher Reformpädagoge zum Zyniker, zum „Stundengeber“ und „Job -Erfüller nach Vorschrift“  geworden ist, ist nachzuvollziehen. Hier soll keine der üblichen Lehrer-Jammer-Arien angestimmt werden, sondern es sollen nur die konkreten Faktoren genannt werden, die das heutige Schulklima kennzeichnen, jenseits von PISA und Statistik oder Politiker-Sonntagsreden.

3. Fazit: Die normalen LehrerkollegInnen sind heute
a)  zeitlich permanent überfordert
b)  zwar von Schulart zu Schulart unterschiedlich, aber in der Regel mit sozialen     
     Problemen der Elternhäuser und Familien konfrontiert, die das Lernumfeld
     dominieren, ohne dass die PädagoInnen direkt etwas tun können
c)  unzureichend ausgebildet, vor allem in Bereichen Diagnostik, Prozess-Evaluation,
     Gruppendynamik
d)  fachlich-didaktisch überfordert, denn bei zwei Fächern auf dem Laufenden zu
     bleiben, ist schwierig, bei HauptschullehrerInnen, die im Zweifelsfall alle Fächer
     unterrichten ( oder vertreten) müssen, unmöglich, ebenso bei den fachfremd
     eingesetzten Lehrkräften
e)  von der unterrichtstechnologischen, medialen und räumlichen Seite ist die
     Mehrzahl der Schulen um Jahre zurück, veraltet, verrottet,  minder ausgestattet,
     was die Landes- und Kommunalpolitiker zu verantworten haben
f)  durch permanente Testerei und zentrale Vergleichsarbeiten doppelt gestresst:
     terminliche Vorgaben determinieren den Unterricht („learning fort he test“), 
     Zweifel am Leistungsbewertungs-Schema zehren am pädagogischen
     Selbstverständnis.
g)  extrem gefordert, individualisierten Unterricht (einschließlich der Materialien)
    gestalten zu wollen und zu müssen.

Für das ganze Lehrer-Kollegium bzw. die Schulleitungen kommen hinzu:
a) durch Mittelkürzungen haben sich die finanziellen Möglichkeiten der Schulen verschlechtert, Sponsoren-Werbung erfordert viel Zeit.
b) Selbstverwaltung setzt entsprechende Manager-Ausbildung voraus, die die Schulleitungen nicht haben.
c) wissenschaftliche oder personelle Begleitung für Reformprojekte ist absolut die Ausnahme, immer oder unzureichend.
d) Schulleitungen und Beamte, die in der obrigkeitsstaatlichen Hierarchie – , letztendlich dem preußischen Ladrecht entsprungen – groß geworden  sind oder 40Jahre Bürokratie des Realsozialismus erlebt haben, atmen erst einmal auf, ob der plötzlichen Freiheiten, ein Budget selbst verantworten, die Renovierungsbauaufsicht selbst ausüben, Beurteilungen und Einstellungen einschließlich  Personalauswahl selbst vornehmen oder langfristige Anschaffungs- und Investitionspolitik  betreiben zu dürfen. Dass der dafür notwendige Zeitaufwand und die Qualifikationen bei Schulleitungen nicht vorhanden sind, wird erst nach und nach realisiert.
e) Die o.g. neueren Entwicklungen kollidieren im Selbstverständnis der LehrerInnen und Schulleitungen mit ihrem Anspruch, Pädagogen sein zu wollen. Fundraiser, Sozialarbeiter, Verwaltungs- und Personalchef, Psychologe und Familienberater, Bauaufsichtsführer, Etatverwalter und Buchhalter, Statistiker, Konfliktmoderator, Supervisor, Lehrerbildner, Betriebszeitungsredakteur und Pressesprecher, Lobbyist bei Lokal- und Landespolitikern, das sind alles Rollen, die mehr als einmal mit der Pädagogenrolle, dem „pädagogischen Eros“ kollidieren.  Die unzureichende und oft nachträglich installierte Schulleitungs-Fortbildung, die Lektüre der Schulmanagement-Zeitschschrift füllen diese Liste unzureichend. Da zudem diese Schulverwaltungs-Modernisierung top down eingeführt und allenfalls zu läppischen, von Unternehmensberatungsfirmen moderierten workshops mit „Kärtchen-Picken“ und „Punkte-Verkleben“ eingeführt, nicht aber wirklich mit Fuktionsträgern und Personalräten erörtert und erarbeitet wurde, lässt sich die Skepsis erklären.

4. So ist es denn kein Wunder, dass sich der Widerstand der schulischen Akteure auf die Forderung nach materieller und personeller besserer Ausstattung  focussiert hat und sich ansonsten in der Verteidigung des tradierten oder partiell errungenen Fortschritts erschöpft hat. Mit Hilfe des undemokratischen Beamtenrechts, das die GEW und die Linke allemal immer abgelehnt und kritisiert haben, ist vor unzähligen Verwaltungsgerichten manche Kürzung, Schulschließung oder Verwaltungsänderung erst einmal gestoppt worden. Dadurch allerdings ist die mutige Weiterentwicklung von erstrittenen reformpädagogischen Fortschritten in Nischen abgedrängt, die Reformfront parzelliert worden und hat mehr als einmal an den Landesgrenzen halt gemacht. Zu übergreifenden Strategien und Kampagnen hat die Kraft nicht gereicht. Selbst Massenproteste in den Landeshauptstädten – und davon hat es so viele gegeben wie noch nie -  erwähnt werden hier Stuttgart, Wiesbaden, Dresden, Schwerin, Hannover, Hamburg (hier bis zu 8000 DemonstrantInnen) – sind terminlich und von den Zielen her nicht vereinheitlicht worden. So ist es kein Wunder, das viele Pädagogen oder Eltern schnell bei individueller Verweigerung oder einem privaten Boykott oder einem kreativen Umgang mit Maßnahmen landeten. Bei Schulkindern, Studenten und Azubis dagegen hat sich eine andere Mentalität breit gemacht: „ Protest und Vorschläge in der Klasse, dem Seminar. Ansonsten: Schnell durch, mit wenig Aufwand und Zeit viele Punkte und Scheine sammeln. Das Leben beginnt nach der Schule, Lehre, dem Studium.

5. Diese diffuse Bewusstseinslage trifft außerhalb des Bildungswesens auf einen publizistisch-politischen Mainstream , der gezielt von „es ist kein Geld da“, „das Bildungswesen ist ineffektiv“, „die Lehrer sind faule Säcke“, „die Schule ist lebens- und praxisfern“ bis „die antiautoritäre Erziehung der 68er Jahre war falsch“ die erlebten Missstände interpretatorisch für neoliberale Ordnungsvorstellungen reif schießt und öffnet.

6. In dieser Situation liefert der Bertelsmann-Konzern mit seiner Bertelsmann-Stiftung (BS) ein neoliberales Ordnungskonzept zum totalitären Umbau des Bildungssystems, das eine technokratisch-nachholende Modernisierung verspricht, größere Freiheit der Akteure verheißt, das Bildungsprivileg rettet und zementiert und soziale Konflikte und Verwerfungen kanalisiert. Aber mehr noch: Es vereinheitlicht durch die Methoden der offenen Koordinierung, durch Norm setzende Vergleiche  (bench-marking), permanentes Ranking, prozeßbegleitende  personelle indirekte Leitung (Projektleitung), publizistische Unterstützung (Veröffentlichungen und Filme von best-practise-Beispielen), Verträge mit Landesregierungen und entsprechender Bindung von Kommunal- und Landesmitteln an seine Projekte, geschickte personelle Verflechtungen zwischen BS und Hochschulen, Bildungsverwaltungen und anderen Stiftungen (Hans-Böckler, Friedrich-Ebert, Heinrich-Böll, Friedrich -Naumann, Adenauer und Hans- Seidel,  Club of Rome) sowie Medien- und Industrie Unternehmungen sowie erziehungs- und bildungswissenschaftlicher Publizistik die deutsche Bildungslandschaft. Die föderale Struktur Deutschlands, gerade in der Föderalismusreform I für den Bildungsbereich bekräftigt, und der Zug zur Dezentralisierung, zur Verselbständigung von Schulen und Hochschulen, erleichtert der BS das Eindringen in das Bildungssystem. Da der Bertelsmann-Konzern als Global Player auch an den Verhandlungen über das GATS im Rahmen der WTO und die EU-Richtlinien direkt beteiligt ist, ist die Synchronisation seiner Bildungspolitik mit den internationalen bildungspolitischen Entwicklungen gesichert. Auch die Einpassung seiner neoliberalen Bildungspolitik in die gesamte Gesellschaftspolitik ist dadurch garantiert, dass die BS mit ihren Zweigen und Ablegern wie CAP (Zentrum für angewandte Politikforschung), der größte auf Europa- und Außenpolitik spezialisierte Think-Tank der BRD, dem CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) und der größten Tochter des Konzerns, ARVATO, die mittlerweile die Verwaltung ganzer Kommunen einschließlich deren hoheitlicher Aufgaben anbietet, weitere in die gleiche Richtung operierende Instrumente zur Verfügung hat, potenziert sich ihre Wirksamkeit. Beteiligt und eng verflochten mit RTL, Gruner und Jahr, Random House, RTL II, Vox, n-tv, UFA, im weiten Sinne mit Walt Disney, CNN/Time Warner, Burda- und Heinrich Bauer-Verlag sowie ganzen Zeitungen auf dem Balkan, in Österreich, Frankreich bis hin nach China 9) verfügt Bertelsmann über publizistische Macht und Möglichkeit, wie sie nicht einmal Goebbels, Stalin und Mao zusammen zur Verfügung hatten.

7. Zunächst konkrete Beispiele von Bertelsmann-Aktivitäten im Bildungsbereich:

7.1.In Freiburg/Br. wird das erste  „Regionale Bildungsbüro“ in Baden-Württemberg eingerichtet, von der Stadt, dem Land und der Bertelsmann-Stiftung (BS) getragen. Für 50 Schulen werden alle staatlichen und kommunalen Unterstützungsangebote gebündelt und mit außerschulischen Partnern vernetzt. Ein gemeinsames Bildungsbudget soll die Schulentwicklung unterstützen. Praktika, Schülerfirmen, Betriebserkundungen, Lehrstellenvermittlung, Gewaltprävention, außerschulische Freizeitangebote und Kita-Betreuung – alles soll im Bildungsbüro gebündelt werden. Die Planung richtet sich nach SEIS (Selbstevaluation in Schulen), ein international erprobtes Instrument von Bertelsmann zur Schulentwicklung und Bedarfserhebung und zum Ranking. Es enthält  Dateiverwaltung, Frage- und Planungsbögen. Bertelsmann finanziert Lehrerfortbildung, die Konzeptentwicklung und die TrainerInnen. Die BS gibt 48 000.-- €,  die Stadt 75 000.--- € dazu, das Land 320 000.-- €. 10)

7.2.In Brandenburg wurden für die Kindergärten Bildungspläne wieder aufgestellt. Als sie gedruckt in den Kitas vorlagen, stellte man fest, dass sie mit Hilfe der Bertelsmann-Stiftung erstellt und gedruckt worden waren. Vorher war nie die Rede davon gewesen, dass es sich um eine Public-Private-Partnership gehandelt hätte.11)

7.3. In Brandenburg gibt Bildungsminister Holger Ruppert stolz seinen Kooperationsvertrag mit der Bertelsmann-Stiftung bekannt. Das strategische Projekt „Unterstützung der Schulen bei der Selbstevaluation“ werde nun ausgebaut. Es läuft bis 2008, an 95 Schulen in Brandenburg, die je 300,-- € Lizenz- und Durchführungsgebühren bezahlen. „Die Bertelsmann Stiftung hat im Bereich innovative Schulformansätze einen ausgezeichneten Ruf“, so Holger Rupprecht. „Das Instrument ist international getestet worden und ergänzt die von uns aufgebauten Maßnahme der Qualitätsverbesserung wie beispielsweise die Schulvisitationsteams“ … Es erfasst grundsätzlich „ in wichtigen schulischen Bereichen … verschiedene Sichtweisen“. Damit könne „jede Schule eine Bestandaufnahme vornehmen und eine planvolle und effektive Schulentwicklung in Gang setzen“ … „und Anregungen erhalten.“ … „Die Berichte stehen ausschließlich den Schulen zur Verfügung.“ 12) Und der Bertelsmann-Stiftung, die ja die Computerauswertung vornimmt.

      7.4. In NRW sind hunderte von Schulen an Modellprojekten in Kooperation mit der

Bertelsmann- Stiftung (BS) beteiligt. Bekanntlich ist die Aufgabe dieser größten deutschen Stiftung „innovative Konzepte der Führung in allen Bereichen des Staates“ zu entwickeln und zu implantieren.  Diese einflußreichste deutsche Stiftung, fest in der Hand der Familie Mohn, hat sich zum größten deutschen neoliberalen Think- Tank entwickelt und „berät“ auf vielen gesellschaftlichen Feldern, aktiv geführt von Liz Mohn und Prof. Werner Weidenfeld, dem ehemaligen Kanzlerberater. Sie ist auffallend operativ und offensiv tätig. Durch ihre Tochter CHE steuert sie die Hochschullandschaft in mehreren Bundeländern, durch ihr Münchener Institut CAP (Centrum für angewandte Politikforschung) die Europapolitik (z. B. durch Entwurf der EU- Verfassung). Die andere Tochter, ARVATO AG (34 000 Mitarbeiter) bietet die gesamte Palette staatlicher Leistungen an, bis zur Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben (z. B. Steuererhebung). Muster ist die Stadt East Riding (GB, Yorkshire). Das bildungspolitische Engagement der BS geht auf die Mitarbeit von Reinhard Mohn 1992 in der NRW-Kommission „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“ zurück. 1997 begann das Kooperationsprojekt Land NRW – BS, genannt „Schule + Co“, mit 90 Schulen in Leverkusen und im Kreis Herford zur Verbesserung des Unterrichts und des „schulinternen Managements“ sowie zum Aufbau von Kooperationsstrukturen Schule – Wirtschaft. 1998 folgte der bundesweite „Initiativkreis Bildung“ (Schirmherr: Bundespräsident Herzog) mit seinem Memorandum „Zukunft gewinnen- Bildung erneuern“, veröffentlicht 1999, 2002 das bundesweite „Manifest Bildung für die Arbeits- und Wissensgesellschaft“. Parallel mit der Änderung des „Schulgesetzes zur Weiterentwicklung von Schulen“ in NRW (29. 11. 2000) wurde das „Projekt selbständige Schulen“ mit zunächst 237 Schulen in 18 Regionen und mit 49 Schulträgern begonnen, angelegt auf sechs Jahre Laufzeit (inzwischen auf 278 Schulen in 19 in Regionen in NRW angewachsen). Es gelang, in NRW den DGB und sogar die GEW als Projektpartner zu gewinnen, wobei die BS die Projektleitung innehatte und überall die Besetzung der Projektbüros bestimmte.13) „Fällt die Schulfreiheit dem Einfluss der Mohn- Sekte zum Opfer?“, fragte sogar „DIE ZEIT“ ironisch.14). 0,5 Mill. € spendete die BS pro Jahr für dies Projekt, 1,850 Mill. € zahlt das Land NRW, außerdem 150 – 200 Planstellen, die die Projektschulen zusätzlich erhalten. Im Rahmen dieses Projektes wurden „Regionale Bildungsbüros“ eingerichtet 15)und ein breites Schulsponsoring eingeführt, um die „Partnerschaft Schule- Wirtschaft“ zu fördern. Fünf Schwerpunkte hat das Projekt in NRW:

        1. Es geht darum, die Personalbewirtschaftung der Schulen umzugestalten, wobei neue Formen der Mitbestimmung erprobt werden sollten: Die Personalräte an den Schulen wurden abgeschafft und durch eine Personalkommission ersetzt. De facto wurde damit die gesetzlich geregelte Mitbestimmung eingeschränkt, denn die Personalkommission hatte keine verbindliche Mitbestimmungsmöglichkeit mehr, die der Personalrat zuvor gehabt hatte.
        2. Im Feld „Sachmittelbewirtschaftung“ wurde bei den Modellschulen ein schulbezogenes Budget vorgegeben, dass an der einzelnen Schule mittels Kosten- Nutzen- Analyse verwaltet wird. Die Übertragung dieser betriebswirtschaftlichen Methode auf die Schulen hakt jedoch, da es an Schulen eben keine Kennziffern, z. B. für den Output, gibt. Erprobt wurde dabei auch, dass private Beraterfirmen den Schulleitern Buchhaltung oder Personalmanagement abnehmen.
        3. In dem Feld „Unterrichtsorganisation“ wurde der Unterricht neu rhythmisiert und die Leistungsbewertung in Kennziffern aufgelöst.
        4. Bei der inneren Organisation der Schule wurden insbesondere die Schüler zur Verantwortung für ihre eigene „Lernbiografie“ angehalten.
        5. Das fünfte Arbeitsfeld war die Qualitätssicherung und die Rechenschaftslegung, für Eltern  und für externe Evaluation. 16)

      Die Schulen waren anfangs begeistert, es gab ja auch eine Planstelle mehr, man konnte Neues gestalten, die Betriebe in der Umgebung wurden für die Schulen erschlossen, man hatte Bertelsmänner als Berater. Dabei hatten DGB und GEW sich anfangs mit großen Hoffnungen in einem Teilprojekt voll engagiert. Ihm wurden Aufgaben zugeschrieben wie
      - die Rolle des Co-Managers aus positiven wie negativen Erfahrungen von Betriebsräten
         und Personalräten herauszufiltern.
      - herauszufinden, in wie weit das Modell eines co-managenden Lehrerrats für eine
        optimale Schulentwicklung überhaupt trägt.

      Inzwischen mehren sich kritische Stimmen. In einem Zwischenbericht klagt der DGB NRW ausdrücklich die verschlechterte Mitbestimmung. 17)Dennoch starteten in Dortmund darüber hinausgehend die BS und die Stadt gemeinsam das „Dortmund- Projekt“ für 10 Jahre, in dem die Schule als Stadtteilzentrum entwickelt und die Kooperation aller Bildungsträger verbessert werden soll. Für die Beteiligung der 174 Dortmunder Schulen zahlt die Stadt jährlich 500.000.- €.
      7.5.Im Landkreis Groß-Gerau und der Stadt Rüsselsheim wird im Juni 2001 ein Pilotprojekt „Budgetierung von Schulen“ (manchmal auch „gemeinsame Verantwortung für Bildung und Erziehung in hessischen Schulen“ genannt) von der neuen CDU geführten Landesregierung zur Umsetzung der Beschlüsse der rot-grünen Vorgängerregierung zur Einführung der „Neuen Verwaltungssteuerung“ gestartet. Ein ergebnisorientiertes Kontraktmanagement zwischen Einzelschule und zentraler Schulverwaltung ist die Grundlage für ein Schulbudget und ein Evaluationssystem. Eine Kosten-Leistungs-Rechnung löst das alte kameralistische Verfahren der Kostenverwaltung ab. Diese neue Verwaltungssteuerung ist durch das Computerprogramm SAP R 3 gestützt (Kosten für Hessen 50 Mill. €), das landesweit 2003/04 eingeführt sein soll (siehe auch weiter unten). Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt die Firma ACCENTURE  und die Bertelsmann-Stiftung. Ein Angebot von Wissenschaftlern der Uni Frankfurt wird abgelehnt. 2% des Budgets sollen als „Effizienzdividende“ für den Staatshaushalt erbracht werden . Die Schulen sollen ihre Ziele als Produktplanung formulieren, die in einen Produkthaushalt eingehen, der wiederum Grundlage für die Kontrakte ist. In Zukunft sollen die Schulen ihr Personal selbst einstellen. 18)19)
      7.6. In Hamburg wurde den Schulen, die sich 2004 am Modellversuch „Selbstverantwortete Schule“ beteiligten auferlegt, sich am „Profil der Maxime des Club of Rome auszurichten“, sich von dort zertifizieren zu lassen. Sie sind gehalten, das Instrument SEIS (Selbstevaluation in Schulen) einzusetzen, erhalten besondere Fördermittel und eine Lehrerplanstelle von der Stadt (vgl. den Beitrag von Ingrid  Lohmann in diesem Band). Liz Mohn ist aktives Mitglied im „Club of Rome“ (CoR), im Kuratorium der CoR-Schulen sitzen  der frühere GEW-Vorsitzende Dieter Wunder und der ehemalige Hamburger FDP-Bildungssenator Reinhard Soltau, den Vorsitz führt Peter Meyer -Dohm (seit 1996 Beiratsmitglied bei „Qualitätsentwicklung von Schulen und Schulsystemen“ der Bertelsmann Stiftung). 20)
      7.7. Auch in Niedersachsen arbeiten die „Eigenverantwortlichen Schulen“ nach SEIS.

      8. Was ist denn nun SEIS?
      “Die BS hat aus der internationalen Praxis heraus ein Steuerungsinstrument erarbeitet, das Schulleitungen und Kollegien helfen soll, Schulentwicklungsprozesse mit Hilfe von Daten zu evaluieren und zu planen: Das Steuerungsinstrument SEIS (Selbstevaluation in Schulen) besteht aus einem international tragfähigen Qualitätsverständnis von guter Schule, aus Fragebögen zur Befragung von Schülern, Lehreren, Ausbildern und sonstigen Mitarbeitern sowie einem vergleichenden Berichtswesen“ (aus der Projektbeschreibung). Eine zu liefernde Software ermöglicht die computergestützte Auswertung. In allen Bundesländern, außer Hessen, Sachsen, Schleswig-Holstein, so die Eigenwerbung auf der homepage der BS, wird SEIS bereits eingesetzt. 20) Kern des Instruments sind vier Fragebögen mit fünf Antwortkästchen zum Ankreuzen: „Stimme völlig zu“, „stimme eher zu“, „stimme eher nicht zu“ … „gar nicht zu“ und „weiß nicht“ sowie einen computerlesbaren Strichcode, für LehrerInnen (63 Fragen mit bis zu 10  Unterfragen), Eltern (51 Fragen, wenige mit bis zu drei Unterfragen), Schüler (69  mit bis zu fünf Unterfragen). Die Computerauswertung zeichnet Diagramme und Prozentauswertungen und stellt ein Zahlenwerk von bis zu 250 Seiten dar – übersichtlich und  gut ablesbar. Dazu ein Schulleitungsformular (SLEF), das mir leider nicht zur Verfügung stand, weil div. Schulleitungen es klammheimlich ausfüllten und den Kollegien nichts mitteilten. 21)

      Sieht man sich die  anzukreuzenden Fragen genauer an, wird die ganze Fragwürdigkeit und Gefährlichkeit dieses Verfahrens deutlich: In den von Kl. 1 – 13 einsetzbaren Lehrer -Fragebögen werden subjektive Eindrücke standardisiert abgefragt, z.B.  in Frage 1: „Das Leistungsniveau der SchülerInnen in meiner Schule ist insgesamt hoch“ – stimme völlig zu, stimme eher zu, stimme eher nicht zu, stimme gar nicht zu, weiß nicht. Was sagt hier ein hoher Prozentwert bei Antwort 1 wirklich aus? Obwohl dieselbe Frage auch den Eltern und Schülern gestellt wird, steigt die Aussagekraft doch nicht an – und über Schulqualität sind nur scheinbar quantifizierbare Kennziffern entstanden. Alle drei Gruppen werden auch gefragt: „In den folgenden Fächern lernen unsere SchülerInnen /ich / mein Kind so gut sie / ich / es können / kann“ (Antwortschema ist immer dasselbe), und dann wird nur nach Mathematik und Deutsch gefragt. Nicht nach einer Naturwissenschaft, nicht nach Sport, Musik, Politik, Geschichte. Und da haben wir die ideologisch motivierte Reduktion von Schulqualität auf Deutsch und Mathematik, alles andere wird ins Nebensächliche abgedrängt. Da zieht in unsere Schulen dasselbe ein wie in den USA, wo Testkritiker ironisch sagen:  „Von Relevanz sind nur die drei  Rs (reading, writing, arithmetics), denn nur sie werden für die Rankings abgetestet“. Wieso kommt die BS eigentlich dazu, ohne öffentlichen Diskurs, unsere Bildungsqualität inhaltlich auf Deutsch und Mathe zu reduzieren? Oder Fragen 4 – 10 (Schülerversion) oder 6 – 9 (Lehrerversion) umfassen rund zwei Dutzend Einzelfragen: Erfragt wird, ob etwas gelernt wurde in Gesundheit, Umwelt, Sicherheit, Medien, Konsum, technischen Problemen im Alltag, dazu massenweise Arbeitstechniken. Nicht dabei: ob man gelernt hat, Kritik zu üben, Verbesserungsvorschläge zu machen, Geschichte besser zu verstehen. Nicht einmal eine Spalte für Verbesserungsvorschläge, vielleicht in freier Formulierung, ist vorgesehen. Weder beim Lehrer – noch beim Elternfragebogen. Verwunderlich ist, dass dieses Fragebündel bei den Eltern ganz fehlt. Nach Förderunterricht wird nur einmal bei den Schülern gefragt, ob MigrantInnen zusätzlich Sprachunterricht erhalten. Selbst die gesetzlich garantierte Mitbestimmung von Eltern und Schülern wird durch Fragen  eingeschränkt, z.B. bei Frage 27 (Lehrerversion), das ist bei der Schülerversion Frage 25, bei der Elternversion Frage 14. Sie lautet: “Wenn Entscheidungen getroffen werden, die die SchülerInnen und Eltern betreffen, werden die Meinungen der Eltern / Schüler berücksichtigt.“ Zur materiellen Ausstattung  wird nur danach gefragt, ob die Mittel gerecht, entsprechend dem Schulentwicklungsplan, auch für Fortbilddung zur Verfügung stehen (Fragen 33 – 36 Lehrerversion). Keine Frage ist, ob sie ausreichen, keine Frage, wo es vielleicht „kneift“.

      Lediglich Frage 80 (Lehrerversion) lässt mögliche sachte Kritik zu: „An unserer Schule fällt wenig Unterricht aus.“ Da kenne ich aus der ersten Welle von Schulprogrammen selbst entwickelte Umfragen, die viel breiter die Bildungs- und Erziehungsarbeit  sowie die personelle und materielle Situation einer Schule empirisch erhoben. Womit ja bekanntlich die ersten kollektiven Planungsschritte gegangen wurden. Seit den 60iger Jahren habe ich zu Beginn in allen neu übernommenen 7. Klassen, ob Real- oder Hauptschulklassen, schriftliche Schülerbefragungen gemacht, ausgewertet und die Ergebnisse der ersten Klassenkonferenz zur Verfügung gestellt – aber die ganze Breite sozial und schulisch relevanter Daten, die Lernausgangslage und die bisherige Schullaufbahn der Schüler war enthalten. Keine Frage, dass bei den gestiegenen Belastungen heute für keinen Klassenlehrer mehr die Zeit bleibt, einen achtseitigen Erhebungsbogen auszuarbeiten. Die SEIS-Fragebögen von der  Bertelsmann Stiftung erscheinen mancher Schule als Ausweg aus der Situation, zumal die BS auch die Computerauswertung vornimmt, Blockdiagramme und Tabellen erstellt und einen Auswertungsbericht verfasst. 22) Dabei gibt sich die BS alle Mühe, diesem flachen Fragebogen einen „wissenschaftlichen“ Background unterzuschieben, verbunden mit flotter, ermunternder Werbesprache: „Wenn Sie diesen Bericht in Ihren Händen halten, haben Sie bereits ein gutes Stück Weg zurückgelegt…“….“Gemessen an den Entwicklungsmöglichkeiten, die sich für ihre Schule auftun können, ist dieses Berichtswesen ein wahrer Schatz. Allerdings muss dieser Schatz erst gehoben werden.“….“Unser Berichtswesen versucht, Ihnen genau dis so leicht wie möglich zu machen.“ Dann folgt in der „Einleitung zur SEIS-Erhebung“ die Beschreibung in zwei Teilen: Schulbericht und Vergleichsbericht (Vergleichsdaten aus anderen Schulen) „Ebenso erleichtert dieser Berichtsteil Ihnen die Suche von Partnern, von denen Sie lernen können“. Das ist die Konkretion von Wettbewerb, normsetzenden Vergleichen, best practise und offener Koordinierung als Steuerungsinstrumente für Schulentwicklung. Die Lissabon-Strategie der EU lässt grüßen, die dieses „new governance“ genannte System, eine Mehrebenen-Politik zu „handeln“ 2001 verbindlich gemacht hat.  Nun hat Lisabon die Schule erreicht – und SEIS bricht diese Strategie klassisch auf  die lokale Ebene der Schulen herunter. Und wird, weil Arbeitserleichterung verschaffend, von arglosen und uninformierten PädagogInnen z. T. freudig begrüßt, will sie dort ihr Reform- Vokabular wieder finden.

      Allerdings versuchen erste Schulen wieder auszusteigen. Recht haben sie von der Sache her, nicht aber von Seiten der bestehenden Verträge mit der BS. Die entlässt niemanden so einfach aus einem Dienstleistungsvertrag, und die Schulverwaltung nicht aus einem „Contract“. Dabei gebietet es die Sache eigentlich,  z.B. weil die BS einen anderen Begriff von Schulqualität vertritt als viele an Humboldt oder Comenius ,also dem Bildungsbegriff der Aufklärung, geschulte Lehrerkollegen.

      Ein Qualitätsverständnis der BS liegt dem Vergleich zugrunde, das 2001 – 2004 unter „Federführung der BS insgesamt 41 Schulen sowie Experten und Vertreter von Bildungsbehörden aus acht Nationen“ zusammen formulierten. Der Vergleich sollte Steuerungsinstrument sein, den „Schulentwicklungsprozess effizienter, effektiver, ganzheitlicher und nachhaltiger zu gestalten.“ … „Das gemeinsame Qualitätsverständnis …“ ist dass „Ergebnis einer breiten internationalen Recherche und intensiven Diskussion mit Experten und  Schulpraktikern aus alles an SEIS beteiligten Ländern. Danach seien die Basis-Dimensionen des Qualitätsverständnisses „Lernen und Lehren“, „Führung und Management“ und „Klima und Kultur“ ganz eng miteinander verwoben. „Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages“ die vierte und „Zufriedenheit die letzte Dimension. Sie beschreibt das Ergebnis von Erfolgen in den anderen  Dimensionen.“ 16 Hinweise und Fragen zum Umgang mit den Daten zwecks „Einspeisung in den regulären Schulentwicklungsprozess“ sowie eine Web-Adresse schließen die Einleitung ab.  Als einziger Punkt, dass die soziale Lage, das Wohnquartier oder die ethnische Zusammensetzung der Schülerschaft vielleicht etwas mit der Qualität zu tun hat, findet sich der Hinweis: „Je nachdem, ob eine Schule einen günstigen oder eher herausfordernden sozio-ökonomischen Hintergrund hat, könne die Datei völlig unterschiedliche Bedeutung haben.“ Gesellschaftliche, strukturelle,  sozio-ökonomische Rahmendeterminanten werden auf den „herausfordernden Hintergrund“ 23) reduziert. Gesellschaftliche Konflikte und  Antagonismen  eliminiert, geschweige denn interpretiert.  Da ist selbst PISA weiter. Auch wird dort mit Name und Adresse genannt, wer den Test ausgearbeitet, welche Konzepte dem zu Grunde liegen, wer die Interpretation der Daten vorgenommen hat. Das verschwindet bei der Bertelsmann-SEIS alles im Nebel. Dazu schreibt Wolfgang Lieb: „Darüber, was diese fünf Dimensionen über die Qualität einer Schule aussagen, mag man nun streiten. Schaut man sich jedoch die Fragebögen  jedoch einmal genauer an, dann kommen einem schon erhebliche Zweifel, was es etwa über die Qualität des Unterrichts aussagen soll, ob die Lehrer z.B. an die  Tafel schreiben, Arbeitsblätter benutzen, aus Büchern  lernen lassen oder ob die Schüler Videos und Filme schauen bzw. an Computern arbeiten bzw. das Internet benutzen. Wer beurteilt da was zu einer besseren Qualität des Unterrichts beiträgt? ( Über die Qualität der Inhalte des Unterrichts wollen wir gar nicht erst reden.) Ist eine Schule besser, weil dort schon früh das Internet benutzt wird oder noch an die Tafel geschrieben wird?  Ist ein Lehrer besser, weil er Schüler mit dem Tageslichtprojektor präsentieren lässt?
      Und wer entscheidet darüber wie die Antworten gewichtet werden? Man mag ja solche Fragen an einer Schule stellen und darüber in eine Diskussion unter Lehrern, Schülern und Eltern kommen, solche Fragen aber anonym beantworten zu lassen und aus den Antworten einen Wettbewerb um schulische Qualität zu machen ist ein geradezu absurder Versuch einer Pseudoobjektivierung von Qualität.“ 24) Insofern bleibt, dass die gesammelten Daten allenfalls als Kennziffern für eine in Zukunft zu erstellende Kosten- und Leistungsrechnung geeignet sind. Und dann ist nur die BS in der Lage, sie zu erstellen, weil niemand sonst in der Lage ist, so viele Daten gesammelt und mit Steuerungsinstrumenten verknüpft zu haben. 

      9. Dass Schulen aus Überlastung, mangelnder Qualifikation und Druck von den Schulbehörden zu SEIS greifen, wird aus dem zu Anfang dargestellten Zuständen verständlich. Was Kultusministerien veranlasst, SEIS für die Schulen verpflichtend zu machen jedoch nicht. Um gleich einem Gerücht entgegenzutreten: Dass GEW und Linke sich gegen Evaluation von Unterricht, Selbstevaluation  oder dem Einsatz von  Evaluationsfragebögen wehrten, ist eine ignorante Unterstellung. In nahezu allen GEW-Landesverbänden oder z.B. den bildungspolitischen Konferenzen des Linkspartei.PDS sind Fragen der Evaluation Gegenstand von Diskussionen gewesen. In etlichen Bundesländern haben Personalräte mit den Behörden über Evaluationsverfahren und entsprechende Dienstvereinbarungen verhandelt. Man wollte der BS die Türen öffnen – und eben genau andere Verfahren nicht. Aus Ungarn und  Holland kennt man Prozess-Evaluation durch Peer Group Review (ein Team von Hochschullehrern und Kollegen besucht tage- oder wochenlang eine Schule, berichtet und berät). Der Vorschlag des Grundschulexperten Hermann Schwarz, erst die Alltags- und Selbstevaluation in den Klassen zu stärken und dazu – analog der Praxis in reformierten Grundschulen – Zeit zur Verfügung zu stellen, wurde als zu aufwendig  abgelehnt.  Selbst als die GEW Hamburg mit der Schülerkammer Hamburg (der Landesschülervertretung) ein einjähriges Pilotprojekt an vier Schulen startete, die nach einer Ausschreibung aus 25 zum Projekt bereiten Schulen ausgewählt worden waren (mehr Mittel konnte die GEW nicht zur Verfügung stellen), eine wissenschaftlich begleitete Feedback-Methoden zu entwickeln und zu erproben, griff die Hamburger Schulbehörde nicht zu (obwohl damals noch in einer rot-grünen Koalition). Sieben erprobte Feedback-Verfahren – von „Mit Bildern sprechen“ über „Lerntagebuch“ und „Zielscheibe“ wurden von  Wissenschaftlern und beteiligten Lehrern und Schülern dokumentiert. 25) Allerdings sind diese Feedback-Verfahren, am Partizipationskonzept von Wolfgang Schulz (1980),dem didaktischen Konzept Wolfgang Klafkis (1985) und der Didaktik Wolfgang Klingbergs (1995) orientiert, nur als Entwicklungsinstrument brauchbar, nicht als Beurteilungsinstrument und schon gar nicht als Ranking-Datei oder Kennziffern für SAP R 3 – Software. Obwohl also von der BS und den Schulbehörden immer herausgestellt wird, dass es um „Verbesserung der Schulqualität“ und „Schulentwicklung“ ginge, weist ihre Implementierungsstrategie darauf hin, dass es ihnen in Wahrheit um die Einführung  und Entwicklung von Kennziffersystemen geht, sie aber die aktive Beteiligung der PädagogInnen benötigen, und wenn sie sie sich erschleichen müssen. Denn es wird systematisch verschwiegen und versteckt, dass die Einführung der Steuerungssoftware SAP R 3 als zentrales Steuerungsinstrument für alle Verwaltungen (auch die Schulen und Hochschulen) längst beschlossen ist – und sukzessive auch eingeführt wird. Dazu benötigt man alle Schülerdaten – deshalb die von der Kultusministerkonferenz jetzt rigoros durchgesetzte Einführung einer zentralen Schülerdatei mit allen Schülerdaten aus 13 Schuljahren. Begründet wird allerdings ganz anders: Es solle verhindert werden, dass schulpflichtige Kinder übersehen  würden oder familiäre Vernachlässigung durchrutsche. Es wird suggeriert, dass es „nur“ um Verwaltungssoftware zwecks besserer Abrechnung des Schulbudgets ginge. Dabei ist SAP R 3 entwickelt worden und bewährt, große Datenmengen und Einheiten zentralistisch zu steuern. 80 von 100 der größten Konzerne in der BRD steuern damit alle Unternehmensprozesse nach betriebswirtschaftlicher Logik und integrierter Best-Way-Lösung, und zwar zentral, wie Experten urteilen. An anderer Stelle habe ich mich ausführlicher damit auseinandergesetzt (in Bauer/Bittlingmayer „Die Wissensgesellschaft- Mythos, Ideologie oder Realität?“, VS-Verlag 2006, S. 425 ff). Die Schulen und Hochschulen hinken in der Verbetriebswirtschaftlichung hinterher, weil soziale Prozesse nicht einfach in ökonomische Kennziffern zu gießen sind, allenfalls zu „unechten“, weil gesetzten, führen. In Hessen werden die staatlichen Fachschulen, in Niedersachsen die ProReKo- Schulen, in Sachsen die Jugend- und Sozialhilfe bereits nach Kennziffern zu steuern versucht. Mit mäßigem Erfolg. Es fehlt also insgesamt ein einheitliches Kennziffernsystem für den Bildungsbereich. Und dabei leistet die BS mit SEIS hervorragende Dienste, hat passgerechte Instrumentarien preiswert entwickelt und gibt die Steuerung durch personelle Begleitung nicht aus der Hand. Nirgendwo, wo die BS beteiligt ist, liegt die Prozesssteuerung bei einer Behörde oder gar einem unabhängigen Wissenschaftler. Immer steuert die BS, entsprechend ihrem Selbstverständnis als „operative Stiftung“. Allerdings nicht allein. Sehr geschickt bindet sie staatliche Stellen ein. Die totale Privatisierung des Bildungswesens ist auch nicht ihr Ziel, „nur“ die Public-Private-Partnership“, wobei sie durch Netzwerk-Kontakte Hochschullehrer und die anderen Stiftungen von Böckler-, Böll-, Ebert-, Naumann-, Adenauer- bis Seidelstiftug geschickt mit entspannt, zumindest als Übersetzer. Als die H. Böll-Stiftung ihr von einer eigenen Bildungskommission erarbeitetes Bildungsfinanzierungskonzept veröffentlichte, fiel sofort die Übereinstimmung mit dem der Bertelsmann und H. Böckler Stiftung auf. DieVorsitzende der Bildungskommission der Böll-Stiftung, Sybille  Volkholz, 26) wurde gefragt, warum man denn Konzepte abschreiben, warum man denn fast dasselbe noch einmal sagen müsse. Das sei richtig. „Alles sei schon einmal gesagt worden, aber eben nicht von allen!“ antwortete sie. 27) Die Stiftung der Grünen sehe es als ihre Aufgabe an, überzeugende Konzepte ihrer spezifischen Klientel nahe zu bringen.

      10.  Und hier wird die Strategie der BS offenbar, ihre Kernbotschaften, ihr ideologisches Konzept unter Einbeziehung von Partnern „mundartgerecht“ an breite Kreise heran und in unterschiedliche Diskussionszusammenhängen hineinzutragen. BS und das für die Penetration der Hochschulpolitik gegründete CHE 28) sprechen die Sprache  der Wirtschaft wenn sie von „Effizienzsteigerung“ sprechen, die Sprache der Gewerkschafter, wenn die H. Böckler Stiftung von „sozial gerechter Bildung“ und die H. Böll Stiftung von „nachhaltiger Bildung“ sprechen. Mit SEIS hat sie die Sprache der Schulpraxis entdeckt und sich ihrer bedient, auf Samtpfoten und durch die Hintertür die Schulentwicklung zu steuern. Als quasi neutrale Stiftung, der Zivilgesellschaft verpflichtet, will sie die Kräfte bündeln, als Partner des Staates, als „gute Regierung“ des Bildungswesens, als heimliches Kultusministerium. Die alten preußisch-hierarchischen Regierungstechniken hätten sich als reformunfähig herausgestellt – sie gilt es zu ersetzen. In diese Ambivalenzfalle tappen nun viele Schulen, zumal sich die BS-Stiftung, medienerfahren und geübt, durch ihre Medien ganz unterschiedliche Bevölkerungskreise jeweils adäquat anzusprechen, fast aller reformpädagogischer Vokabeln bedient. Da ist von „Autonomie“, „selbständig“, „offen“, „Schüler orientiert“ die Rede. Geschickt wird den Schulen immer eine kleine Entscheidungsmöglichkeit gelassen. Z.B. können sie bei SEIS ihre Daten dem Vergleich mit den Daten anderer Schulen aussetzen. Wenn, dann aber nur über den Umweg über die BS. Von Etablierung eines Gesamt-Steuerungs- und Kennzahleninstruments ist niemals die Rede. Da würde auch die Illusion von mehr Selbständigkeit und Autonomie der Einzelschule im Ansatz erstickt werden. Es geht nur darum, dass die Schule zum Partner BS bereit ist. David gegen Goliath. Zumal der „Wettbewerb“ und die Notwendigkeit der Vergleiche und des „Rankings“ unisono gefordert wird – und PISA diesen Trend in den bildungspolitischen Diskurs öffentlichkeitswirksam hineingepflanzt hat. Das Schielen auf den Rangplatz des eigenen Staates, des eigenen Bundeslandes, der eigenen Schulen wird wichtiger als die Interpretation der Daten. „Die alten hierarchischen  Formen staatlicher Herrschaftsausübung seien flachen nichtstaatlichen Kooperationen gewichen, die sich nicht, wie in der Vergangenheit durch konflikthafte Aushandelungssprozesse auszeichnen würden. Insbesondere der Widerspruch von Kapital und Arbeit, so die BS, sei schon lange kein die Gesellschaft strukturierendes Merkmal mehr“, schreibt Oliver Schöller 29). Damit erreicht die BS in der Bildungspolitik zur Zeit zweifellos „Agenda setting“ und wirksamste Instrumententwicklung für einen Umbruch im Interesse des Kapitals. Die Focussierung der bildungspolitischen Debatte auf Selbstveränderung, den Blick auf die kleine Organisationseinheit Schule (Autonomie der Schule, nicht des Bildungswesens oder „die Autonomie des Pädagogischen“),  Strukturveränderung ohne Infragestellung des Bildungsprivileges (die Schulartendiskussion gilt als überholt). Ihre standartisierten Vorschläge und normierten Schulprogramm-Erstellungs-Rezepte eignen sich für zeitsparende Evaluation per Computer und verschulte Lehrerfortbildung. Bezeichnend, dass in alles BS-Materialien Begriffe wie „Emanzipation“, „Kritikfähigkeit“, „Mitbestimmung“ oder „Partizipation“, „gesellschaftliche Mündigkeit“, „historisch-politisches Bewusstsein“, „Gesellschaftskritik“ oder gar „Schichten und „Klassen“ (aus diesen wird ein „eher herausfordernder sozio-ökonomischer Hintergrund“) gar nicht vorkommen. Soziale und gesellschaftliche Konflikte werden pädagogisiert, der Zivilgesellschaft überantwortet und damit entpolitisiert. Damit befindet sich die BS international im Trend: Wurde doch die Lissabon-Strategie der EU als genau derselbe Versuch auf europäischer Ebene diagnostiziert. Die inhaltlichen Schwerpunkte Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer (employability) , Entwicklung des Unternehmergeists (entrepreneurship), Chancengleichheit für Frauen und Männer  sowie Entwicklung der EU zum dynamischten Wirtschaftsraum der EU wurde zwar fixiert, die einzelnen Maßnahmen aber den Ländern überlassen. 30)

      11. Bei den internationalen Handels-Verhandlungen im Rahmen der WTO (Welthandelsorganisation) über das GATS (General  Agreement of Trade on Services – Allgemeines Freihandelsabkommen) sowie bei der Dienstleistungsrichtlinie der EU (Bolkestein) wird Bildung als handelbare Ware definiert und entsprechend behandelt. Das heißt, dass ein Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Bildung (Unterricht, sonstige Bildungsdienstleistungen wie z.B.  Tests, Personalmanagement) nicht gehindert werden darf, auch in der BRD Geschäfte zu machen. Alle bisherigen Aktivitäten der BS fallen nach diesen Definitionen  unter „sonstige Bildungsdienstleistungen“, wären also nach Vertragsunterzeichnung von GATS grundsätzlich frei handelbar – und der Staat, die BRD, die Bundesländer und Kommunen, darf nicht hindernd (z.B. durch qualitative und quantitative Standards, Qualifizierungsbedingungen oder soziale Standards) eingreifen. Diese Rechnung – „ähnliche Verfahren sind aus der OECD oder dem internationalen Währungsfonds bekannt“ 31) - lässt die bildungspolitischen Bemühungen der  BS vollends ungehemmt wirksam werden.

      12. Welche gesellschaftlichen Ziele werden nun von der BS verfolgt? Die Antwort muss aus verschiedenen Äußerungen , dem Leitbild der Bertelsmann-Stiftung 32) und den etwas altbackenen, verquasten und religiös-menschelnd formulierten  Schriften  der Stiftungsgründer und „Patriarchen“  Reinhard und Liz Mohn erschlossen werden. „Unsere Arbeit wird von der Erkenntnis Reinhard Mohns geprägt, dass unternehmerisches Denken und Handeln entscheidend dazu beitragen muss, Problemlösungen für die verschiedenen Bereiche unserer Gesellschaft zu entwickeln und erstarrte Strukturen aufzulösen.“ 33) „Es wird verglichen, bewertet, gemessen und alles mit jedem in ein Wettbewerbs- und Konkurrenzverhältnis gesetzt.“ 34) Schon bei Gründung hatte R. Mohn die Stiftung bewusst unter das Motto „Eigentum verpflichtet“ gestellt. Dabei denkt jeder sofort an die gängige Interpretation des Art. 14 des Grundgesetzes, dass die soziale Verantwortung gemeint ist. „Diese „Sozialpflichtigkeit“ nennt im allgemeinen Verständnis  eine Einschränkung der generell freien, nämlich rücksichtslosen Verfügung über Eigentum, eine Einschränkung der konsequenten Privatnützigkeit in der Zielsetzung des Umgangs und des Einsatzes des Kapitals. Nur so, das lehrt eine jahrzehntelange Erfahrung, kann der Zusammenprall zwischen demokratischer Willensbildung und Kontrollen auf der einen Seite und der Gewalt des konzentrierten Kapitals auf der anderen Seite etwas abgefedert werden“. 35) Das gilt natürlich erst recht bei einem Konzern, der  mit  einer so großen Medienmacht ausgestattet ist wie Bertelsmann.

      Nun ist aber gerade aus dieser Verpflichtung etwas abgeleitet worden, was das bisherige allgemeine Verständnis von Sozialpflichtigkeit ins Gegenteil verkehrt. Nämlich, dass das Kapital die Pflicht habe, sich einzumischen, zu bestimmen. Die Privatnützigkeit ist oberstes Prinzip. Schon Hermann Josef Abs (damals Vorstandssprecher der Deutschen Bank) formulierte: „Eine parlamentarische Demokratie ist gerade dadurch charakterisiert, dass die Legitimation durch Wahlen und die Legitimation  durch Privateigentum in einem Gleichgewicht stehen.“ 36) Aus der Verfügung über das Kapital wurde die Legitimation und Verpflichtung zum Eingreifen in die Politik abgeleitet. Das wurde 1983 noch deutlicher durch den neuen Kommentator des Grundgesetz-Artikels 14, Hans Jürgen Papier – mittlerweile  im Bundesverfassungsgericht aufgestiegen. Der bekannte Grundgesetz-Kommentar von Maunz-Dürig, die offiziöse amtliche Grungesetz- Interpretation, wurde in Artikel 14 ausgewechselt. Papiers „Kommentar  geht sogar so weit, dass die Sozialpflichtigkeit geradezu ein Anspruch des Kapitals auf Einmischung in die Politik beinhalte, und zwar in dem Maße wachsend, in dem das Kapital konzentriert und mächtig auftritt. Das Gewicht des Kapitals gilt überhaupt nicht mehr als Gefahr für die Demokratie, sondern umgekehrt, die Demokratie wird als Gefahr für die Freiheit des agierenden Kapitals verstanden und deshalb - zu seinem Schutz – das Kapital geradezu verpflichtet, mit welchen Mitteln auch immer, als Teil der gesellschaftlichen Gewalten aufzutreten.  Unsere „Eigentumsordnung“ erfordere dies „gerade auch wegen ihrer politischen Explosivität“ (Maunz/Dürig, Grundgesetz, Art. 14, Rand Nr. 5) 37). Dabei braucht die Einmischung nicht einmal das Gemeinwohl im Auge zu haben, vielmehr beinhalte die Sozialpflichtigkeit des Eigentums gerade eine Einmischung „mit privatnütziger Zielsetzung“ (Rand Nr. 4 und 276) und dem Ziel einer „privatnützigen  Mitgestaltung der Sozialordnung“ (Rand Nr. 12).  Das Grundgesetz kenne gemäß Art. 14 „keine Totalität des (demokratisch legitimierten)  Hoheitsakts …, keine potentiell absolute Herrschaft der politischen Demokratie über Gesellschaft und Wirtschaft“ (Rand Nr. 4) 38) Das entspricht nun aktuell neoliberalen Ordnungsvorstellungen, die den staatlichen Einfluss beschränken wollen. Kein Wunder, dass die FDP den zunächst aus der Luft gegriffenen Vorschlag macht, Art. 14 GG ganz zu streichen.  Abs, Papier – und Bertelsmann – sind da schlauer. Ohne schlafende Hunde zu wecken, verlegen sie sich auf eine schleichende Revolution. „Eigentum (ist) mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden“… „im Wettbewerb der Ordnungssysteme  haben sich repräsentative Demokratie und soziale Marktwirtschaft als Organisationsformen des gesellschaftlichen Zusammenlebens bewährt“… die BS soll „aktiven Einfluss auf die Gestaltung der Zukunft nehmen“…, denn „nur durch die Fortschreibung der Ordnungssysteme“ ist …“der Zusammenhalt unserer Gesellschaft möglich.“ 39)

      “Unser vorrangiges Ziel als  operative Stiftung ist eine möglichst große und nachhaltige gesellschaftliche Wirkung unserer Arbeit“ 40). Darum arbeitet die BS vorrangig mit Netzwerken, auch internationalen Netzwerken, und in Public-Private-Partnership (PPP).“Zugleich arbeitet sie operativ, also  ausschließlich  auf Initiative ihres Gründers, des Konzernpatriarchen Reinhard Mohn und seiner Mitarbeiter. Externe Anträge werden  nicht entgegengenommen, darum drängen die Bertelsmännner um so eifriger mit eigenen Projekten in die deutsche Regierungsarbeit.“ 41) Diese Ausschließlichkeit geht so weit, dass Mohn für Milliarden die Aktien des belgischen Mitbesitzers aufgekauft hat, um nicht an die Börse – und damit an die Öffentlichkeit – gehen zu müssen. Da bei uns in der BRD, anders als z.B. in USA, Stiftungen, zumal wenn sie praktisch von Steuererleichterungen leben und Gemeinnützigkeit steuerlich geltend machen, keine Ausgaben abrechnen und nachweisen müssen, ist alles Geschehen der BS nur Reinhard und Liz Mohn verpflichtet.

      13. Wäre das Geschehen öffentlich, so würde offenbar werden, was jetzt nur vermutet werden kann, dass die Schule (neben der EU-Politik) ein bevorzugtes Operationsfeld ist. Hier kann gesellschaftlicher Vorlauf am besten beeinflusst werden. Hier entfaltet sich Langzeitwirkung am meisten. Da der führende BS-Bildungspolitiker Meier-Böling schon einmal gegen die „undifferenzierte Demokratisierung der Hochschulen“ wettert 42), Demokratisierungs- und Partizipationsmodelle für den Schulbereich bei der BS nicht vorkommen, andauernd von „effizienter Bildung“ und „freier Bildung“ die Rede ist, die Sicht auf mikroökonomische und angebotsorientierte Lösungen, quantifizierbare Outputs und Rankings gelegt wird, wird systematisch ein Kennziffernsystem für eine Kosten- und Leistungsrechnung vorbereitet 43), das, ist es erst einmal etabliert und sind alle Akteure darin eingebunden, die totale Vertriebswirtschaftlichung der Bildung vorgenommen hat. Die Politik wird dann durch marktgesetzliche Sachlogik ersetzt. 44)  Es sind schwer zu durchbrechende Strukturen entstanden, die jeden Widerstand erschweren. Es ist mit der BS wie mit der Schlupfwespe: Mit einem kleinen Stich in die Raupe legt sie ein kleines Ei hinein aus dem sich nach und nach von innen her eine neue Wespe entwickelt – bis sie schlüpft, und als neue Wespe ans Tageslicht gelangt. Nur ist die  Raupe dann tot. Das wäre dann die Vollendung der schleichenden  Revolution des Kapitals. Dagegen kann man zwei Rezepte empfehlen, die Pädagogen traditionell meisterlich beherrschen: Permanente Aufklärung und subversiver Umgang mit dem Zumutungen der Obrigkeit, die man kurzfristig nicht beseitigen kann. Beides hat schon begonnen, auch Letzteres. Es wird von ersten Klassen und Schulen berichtet, die die Fragebögen durch Eltern und Lehrer selbst ausfüllen lassen. Das erinnert mich an meinen Lateinunterricht: Bei den dfauernden Übersetzungshausaufgaben von Cäsars Gallischem Krieg schrieben wir aus den Übersetzungen der Reclam-Hefte seitenlang ab. Damit es nicht auffiel, bauten wir Fehler bewusst ein. Das hat jahrelang funktioniert, und wir erlangten darin wahre Meisterschaft. So weit ist es in der Bildungspolitik aber noch nicht: Noch kann man entscheiden, ob man SEIS von der BS oder Vergleichbares einsetzt oder nicht. Noch kann man amtlich nachfragen, wie das zur Etablierung von SAP R 3 passt. Noch kann man sich gegen die weitergabe der schüler-, klassen- oder schulbezogenen Daten wehren, solange nicht lückenlos Zweck und Auswertung nachprüfbar dargelegt sind.


Anmerkungen:

1)       Thomas Barth (Hrsg.) „Bertelsmann – ein globales Medienimperium macht Politik“, Anders verlag, Hamburg 2006, S. 6

2)      Zitiert bei Ingrid Lohmann in diesem Band

3)      Ebenda

4)      Spiegel-Online 24. 8. 06

5)      Arno Klönne „Schleichender Umsturz“ in „Freitag“ Nr. 53, 2004

6)      Vgl. den Beitrag von Ingrid Lohmann in diesem Band

7)      Erinnert sei daran, dass es in Hamburg seit 1945 in der Regel Grund-, Haupt- und Realschulen in einem Gebäude, mit einer Schulleitung, einem Lehrerkollegium gegeben hat. Ein so ausgebildeter Lehrer hat entweder gleichzeitig oder jährlich wechselnd in allen drei Schularten unterrichtet.

8)      Die Mehrzahl der Lehrkräfte in den neuen Bundesländern sind Angestellte, deren mühsam erkämpften Tarifverträge bei Arbeitsplatzgarantie einen Swing vorsahen: Je nach örtlichem Bedarf betrug die Arbeitszeit die Hälfte plus Bedarf, dann aber schwankte das Gehalt entsprechend.

9)      Vgl. Th. Barth, siehe Anmerkung 1
Oliver Schöller „Bildung geht stiften“ in Bauer/Bittlingmayer „Die Wissensgesellschaft- Mythos, Ideologie oder Realität“, VS-Verlag, Wiesbaden 2006

10)  Pressemitteilung Freibug/Gütersloh, 23. 9. 05

11)  Information der bildungspolitischen Sprecherin der Linkspartei.PDS-Fraktion im Landtag, Gerrit Große (Oranienburg)

12)  Pressemitteilung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, 27. 12. 05

13)  Die Bertelsmann- Stiftung umfasst 47 feste Mitarbeiter in 28 gesellschaftlichen Themenfeldern als Abteilungsleiter (Stand Oktober 2005) – von „Wirtschaftsordnung uns Sozialpolitik“ (die Väter von HARTZ IV) über „Naher Osten“ bis „Modernes Regieren“ und „Föderalismusreform“. Der Bildungsbereich ist alleine mit vier Themen vertreten. Vgl. Bertelsmann- Dossier von H. Ring (GEW Hamburg)

14)  Die Zeit, 16. 9. 99

15)  KGSt 2003 „Regionale Bildungsbüros“, Köln

16)  Bertelsmann- Stiftung/ Kultusministerium NRW, 2000 „Bildung gestalten-selbständige Schule NRW, dazu die maschinenschriftlichen Planungspapiere div. Schulen

17)  DGB NRW, Stellungnahme als Zwischenauswertung, 27. 1. 2002

GEW Projekt Co-Management, GEW NRW, 10. 10. 02

18)    Früher Früher Anderson Consulting, eine der weltweit größten Unternehmensberatungen für Management und Technologie. „Zunehmend übernimmt Anderson Consulting den Betrieb von Funktionsbereichen, die von den Unternehmen und Organisationen nicht als ihre Kernkompetenzen angesehen werden“ (Selbstdarstellung). 75 000 Mitarbeiter in 149 Büros und 47 Ländern, in der BRD in fünf Büros mit 1500 Beratern. Mitinitiator vom „Modell Deutschland 21 – Wege in das nächste Jahrhundert“, rororo-Sachbuch Nr. 1290, 1998 – Vorschläge zur Arbeitsmarkt-Verwaltungs-, Innovation- und Bildungsinitiative (gemeinsam mit den großen Beratungsfirmen Arthur D. Little, Schitag, Ernst u. Young, Young und Rubicam) Anderson benannte sich nach 2000 um, als die Betrügereien um den US-Konzern ENRON aufflogen, an denen Anderson beteiligt war. Das teuerste Rebranding (Umwidmung eines Markennamens und –zeichens) in der Welt bisher folgte innerhalb von nur zwei Monaten.

Das führte zum neuen Namen ACCENTURE und zur Verlegung des Firmensitzes von Chikago auf die Bermudas (um US- Gerichtsverfahren zu entgehen). ACCENTURE berät in der BRD die Bundesagentur für Arbeit (HARTZ IV), die Zollverwaltung, das Bundesfinanzministerium und das von Baden- Württemberg und Sachsen- Anhalt sowie die hessische Landesregierung. Außerdem die Deutsche Post (Systemführung beim E-Gouvernement), die Städte Köln und Erlangen. Vgl. W. Rügemer „Die Berater“ 2004, Bielefeld, S. 93, 231.

19)    vgl. Klausenitzer, J., „Altes und Neues“ in „Widerspruch“ 85, März 2002, Zürich

20)    http://www.das-macht-schule.de/-31k

21)    vgl. SEIS- Fragebögen

22)    Fragebogensatz SEIS- Selbstevaluation an Schulen, Bertelsmann- Stiftung 2005 mit dem fettgedruckten Zusatz: Wichtiger Hinweis: Bitte fertigen Sie keine Kopien an!, zusätzliches Material: wie Anmerkung 20)

23)    Alle Zitate aus „Einleitung zum Bericht, siehe Anmerkung 22)

24)    Wolfgang Lieb (Staatssekretär a. D. im NRW- Wissenschaftsministerium) „Bertelsmann bestimmt die Qualität unserer Schulen“ in http://www.nachdenkseiten.de/?p=1866 vom 14. 11. 06

25)    Vgl. Bastian/Combe/Langer „Feedback- Methoden – erprobte Konzepte, evaluierte Erfahrungen“, Beltz- Verlag, Weinheim 2003

26)    Sybille Volkholz, ehemalige linke GEW- Vorsitzende von Berlin, später grüne Schulsenatorin ebenda, Vors.der Bildungskommission der H. Böll-Stiftung, Betreuerin im Projekt „Partnerschaft Schule-Betrieb“, seit 2005 Leiterin Bürgernetzwerk Bildung vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller

Vgl. O. Schöller“ Bildung geht stiften“, siehe Anmerkung 9)

27)    ebenda

28)    zum CHE vgl. Schöller a.a.O., und Th. Barth, siehe Anmerkung 1)

29)    a. a. O. S. 315

30)    vgl. Michael Felder „Die Transformation von Staatlichkeit“, Westdeutscher Verlag 2001

31)    Armin Schäfer „Aufstieg und Grenzen der offenen Methode der Koordinierung“  in WSI-Mitteilungen 10/2006

32)    Liz Mohn „Die Liebe öffnet Herzen“, Gütersloh 2001

Reinhard Mohn „Erfolg durch Partnerschaft“, Gütersloh 1986

R. Mohn „Menschlichkeit gewinnt…“, Gütersloh 2000

R. Mohn „Die gesellschaftliche Verantwortung  des Unternehmers“, Gütersloh 2003

Leitbild der Bertelsmann- Stiftung 2002/2005

33)    Leitbild der BS a. a. O.

34)    Jörn Hagenloch „Neoliberales Nationen- Ranking“ in Th. Barth, siehe Anmerkung 1)

35)    Martin Bennhold, Referat 22.-24. 1.99 „Private Berater- private Weichensteller mit Medien und Konzerninteressen“

36)    H. J. Abs „Lebensfrage der Wirtschaft“, 1976, S. 92ff

37)    M. Bennhold, a. a. O. , siehe Anmerkung 2005

38)    M. Bennhold a. a. O-

39)    Leitbild der BS, 2005, S. 4

40)    Leitbild der BS, S. 1o

41)    H. Schumann „Macht ohne Mandat“, Tagesspiegel, 24. 9. 06

42)    Süddeutsche Zeitung, 21. 2. 97

43)    Die Verschleierung und das Verschweigen aller dieser Bezüge und Formulierungshilfen durch die BS, die Etablierung von kennzifferngeeigneten „Qualitätsmerkmalen“ und „Qualitätsdimensionen“ stellt die neueste Veröffentlichung der Hamburger Behörde für Bildung und Sport „Selbstverantwortete Schule-Identität stärken, Qualität verbessern“meisterhaft dar. Z.T. gibt es wortgleiche Passagen mit Publikationen der BS. Auch hier ist von Mitbestimmung nie die Rede. www.siz.bbs.hamburg.de

44)    Dies erhellt der ausgezeichnete Beitrag von Eva Hillebrand „Bildungsstandort D- Schulen auf dem Weg zum Dienstleistungsunternehmen?“, 20. 2. 06, Deutschlandradio, http://www.dradio.de/download/